Massendemonstrationen
Brasiliens Kicker unterstützen Proteste

Brasiliens Fußballer solidarisieren sich mit den sozialen Demonstrationen, mahnen aber zur Gewaltfreiheit. Präsidentin Rousseff lobt die „Energie“ der Proteste, obwohl sie sich gegen ihre Regierung richten.
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São PauloDie Massenproteste in Brasilien gegen soziale Ungleichheit, Misswirtschaft und hohe Steuerlast bekommen wichtige Unterstützer: Einige Fußballstars der Nationalmannschaft solidarisierten sich am Dienstag (Ortszeit) mit den Demonstranten, die seit Tagen zu Hunderttausenden auf die Straße gehen. Stürmerstar Hulk sagte: „Sie tun das Richtige.“ Für ihn ergäben die Forderungen nach Reformen Sinn. „Am liebsten würde ich mich ihnen anschließen“, sagte 26-jährige Profi.

Zurzeit läuft in dem Land der Confederations-Cup, das Testturnier für die Fußball-WM in Brasilien im kommenden Jahr. In São Paulo strömten am Dienstag nach Schätzungen erneut 50 000 Demonstranten auf einen zentralen Platz.

Am Montag waren fast eine viertel Million Menschen in zehn Städten auf die Straße gegangen, um gegen Korruption, Kriminalität, hohe Steuern sowie schlechte Zustände in Schulen und Krankenhäusern zu protestieren - bei gleichzeitigen Milliardenausgaben für die Fußball-WM und die Olympischen Spielen 2016. Ursprünglicher Auslöser der Protestwelle war vergangene Woche eine Fahrpreiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr São Paulos.

Hulk, der in Russland bei Zenit Sankt Petersburg spielt, sagte weiter, alle Verantwortlichen sollten auf die Demonstranten hören. „Brasilien muss sich verbessern. Das wissen wir alle.“

Verteidiger David Luiz sagte, die Bürger hätten das gute Recht, ihre Meinung zu sagen und zu demonstrieren. „Das ist der einzige Weg, um auf die Missstände hinzuweisen.“ Die Brasilianer liebten ihr Land, und genau deswegen bekämen die Proteste so großen Zulauf. Was er nicht unterstütze, sei jedoch Gewalt. Luiz spielt bei Chelsea in England.

Auch Stürmerstar Fred erklärte via Facebook, er unterstütze alle friedlichen Demonstranten. Es erfülle ihn mit Stolz, dass seine Landsleute für einen besseren öffentlichen Nahverkehr und ein besseres Gesundheitssystem protestierten.

Auch Präsidentin Dilma Rousseff begrüßte die Proteste, obwohl sie sich gegen ihre Regierung richten. Brasilien sei „aufgewacht“, sagte sie. „Die, die auf die Straße gegangen sind, haben der Gesellschaft als Ganzes eine Botschaft zukommen lassen - und vor allem allen Regierungsebenen. Die massive Größe der Proteste von gestern beweist die Energie unserer Demokratie, die Kraft der Stimme der Straße und die Höflichkeit unserer Bevölkerung.“

Einigen Demonstranten am Dienstag schien das noch zu allgemein zu sein. „Die Proteste gewinnen jeden Tag mehr Kraft, da ist eine enorme Energie, die nicht ignoriert werden kann“, sagte einer der Demonstranten in São Paulo, der 23-jährige Jurastudent Bruno Barp. „Alle Brasilianer sind mit der Regierung unzufrieden und den schlechten Dienstleistungen, die wir bekommen. Jeder ist bereit, für eine Veränderung zu kämpfen.“ Die Polizei teilte unterdessen mit, bei den Protesten am Dienstag seien 63 Menschen festgenommen worden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • Die Proteste in Brasilien waren schon lange überfällig. Wann beginnen endlich die Massenproteste in den USA? Auch dort grassiert ja eine extreme wirtschaftliche Ungleichheit.

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