Massenflucht aus Syrien
Türkei hindert Flüchtlinge an Einreise

Massenweise fliehen die Syrer vor der Gewalt in ihrem Land. Mehr als 6000 retten sich binnen weniger Stunden in den Libanon. Die Türkei will nicht mehr alle Flüchtlinge aufnehmen - was steckt dahinter?
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Damaskus/IstanbulNach den jüngsten Kämpfen und Massakern im Süden von Damaskus hat eine Massenflucht aus Syrien eingesetzt. Ein libanesischer Grenzbeamter sagte am Montag, binnen weniger Stunden hätten mehr als 6000 Menschen die Grenze überquert. Die meisten Flüchtlinge stammten aus den südlichen Vororten der syrischen Hauptstadt. Bei Kämpfen zwischen Revolutionsbrigaden und Regierungstruppen wurden am Morgen 20 Menschen getötet, darunter fünf Kinder. Indessen begannen die türkischen Behörden damit, Syrer an einer Flucht über die Grenze zu hindern.

Wegen der schnell wachsenden Flüchtlingszahl wolle die Türkei nicht mehr alle Syrer aufnehmen, berichteten türkische Medien. Ein Regierungsvertreter bestätigte die Berichte auf Anfrage, ohne Details zu der neuen Politik zu nennen. Türkische Kommentatoren sehen in der Entscheidung einen möglichen Schritt auf dem Weg zur Einrichtung einer Schutzzone auf syrischer Seite der Grenze. Bislang sind mehr als 80 000 Syrer in die Türkei geflüchtet.

„Wir haben Damaskus heute Morgen verlassen, weil wir Angst haben, dass sich die Situation in der Hauptstadt noch weiter verschlechtern wird“, sagte eine Mutter, die mit ihren zwei Kindern in der libanesischen Hauptstadt Beirut eintraf. Bei den Vereinten Nationen im Libanon haben sich bereits mehr als 51 000 Syrer als Flüchtlinge registrieren lassen.

Regimegegner meldeten den Absturz eines Militärhubschraubers in Damaskus. Kämpfer der Freien Syrischen Armee aus dem Viertel Al-Kabun hätten den Helikopter über dem Stadtteil Dschobar abgeschossen, hieß es. Überprüfen ließ sich das nicht. Unbestätigten Medienberichten zufolge sollen die Aufständischen von arabischen Golfstaaten mit Flugabwehrraketen des US-Typs Stinger ausgerüstet worden sein.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete dagegen von Erfolgen der Regierungstruppen im Kampf gegen „Terroristen“ in der Provinz Idlib. Rebellen dort meldeten ihrerseits, sie hätten nach dreitägigen Kämpfen eine Straßensperre der Regierungstruppen im Bezirk Dschabal al-Sawija überrannt. Einer der Kämpfer der „Brigade der Falken von Damaskus“ sagte, in der Schlacht seien auch mehrere Angehörige seiner Brigade gefallen.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad unterstützt nach Angaben aus Teheran den iranischen Vorstoß für einen neuen Syrien-Friedensplan. Assad begrüße die Bemühungen der Regierung in Teheran, sagte der iranische Abgeordnete Alaeddin Borudscherdi nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Isna. Borudscherdi ist der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im iranischen Parlament. Er war am Sonntag mit Assad in Damaskus zusammengekommen.

Der Iran will seine Syrieninitiative diese Woche auf der Konferenz der Blockfreien Staaten in Teheran präsentieren. Details sind bislang nicht bekanntgeworden. Es heißt lediglich, es handele sich um einen umfassenden Plan. Der Iran ist in der Region der engste Verbündete des Assad-Regimes.

Assad hatte den Aufständischen am Sonntag einen „Kampf um jeden Preis“ erklärt. Zugleich bezeichnete der bedrängte Staatschef die seit 17 Monaten andauernde Erhebung gegen sein Regime erneut als ein vom Ausland gesteuertes Komplott. Bei einem neuen Massaker in Syrien sollen mehr als 200 Menschen getötet worden sein. Ihre Leichen wurden in Darija gefunden, nachdem der Vorort von Damaskus von Regierungstruppen eingenommen worden war. Unter den Toten sind auch Frauen und Kinder.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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