Massenflucht
Libanon droht humanitäre Katastrophe

Die Lage für die Menschen im Libanon verschärft sich dramatisch: Innerhalb des Landes sind mehr als eine halbe Million auf der Flucht. Ausländer und Libanesen mit ausländischen Pässen versuchen fieberhaft, aus dem Land zu kommen. Tausende sind von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe.

HB BEIRUT. Angesichts anhaltender israelischer Luftangriffe und steigender Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung versuchen immer mehr Menschen, den Libanon zu verlassen. Im Süden des Landes, wo die israelsche Armee auch mit Bodentruppen gegen Stellungen der radikal-islamischen Hisbollah- Miliz vorging, sind rund 15 000 Menschen durch die Kämpfe von jeglicher Versorgung abgeschnitten.

Nach Angaben libanesischer Krankenhausärzte kamen bei den israelischen Luftangriffen am Mittwoch 72 Menschen ums Leben, dies sei die höchste Opferzahl seit Beginn der Kampfhandlungen vor einer Woche. In Nordisrael starben am Mittwoch zwei Kinder, als von der Hisbollah-Miliz aus dem Libanon abgefeuerte Raketen unter anderem in Nazareth einschlugen, zwölf Menschen wurden verletzt.

Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Donnerstag nach eigenen Angaben einen Bunker der Hisbollah-Führung in Beirut an. Dabei seien insgesamt 23 Tonnen Bomben auf den Bunker abgeworfen worden. Der Fernsehsender der Hisbollah, Al Manar, wies die Darstellung als „völlig falsch“ zurück. Bei dem Angriff sei eine im Bau befindliche Moschee getroffen worden. „Keiner unserer Führer wurde bei einem solchen Angriff verletzt“, hieß es weiter.

Ein vom Pentagon gechartertes Kreuzfahrtschiff brachte am Mittwoch mehr als 1000 US-Bürger aus dem Libanon nach Zypern. Die „Orient Queen“ legte am Abend im Hafen von Larnaka an. Weitere 3000 Amerikaner sollten am Donnerstag folgen, kündigte das US-Militär an. Auch andere Staaten bringen ihre Bürger auf dem Seeweg in Sicherheit.

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Heute kamen nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN US-Spezialeinheiten im Libanon an. In ersten Fernsehbildern war zu sehen wie mehrere Dutzend Marineinfanteristen von Booten aus an Land gingen. Sie sollen bei der Evakuierung von amerikanischen Staatsbürgern helfen, berichtete CNN.

Es ist das erste Mal seit über 20 Jahre, dass US-Soldaten wieder im Libanon im Einsatz sind. Die USA hatten sich nach einem blutigen Anschlag mit über 240 Toten auf das Hauptquartier der US-Marines am Beiruter Flughafen 1984 aus dem Libanon zurückgezogen. Den Anschlag hatte damals nach US-Erkenntnissen die Hisbollah verübt.

Am Donnerstag werden auch die Heimflüge deutscher Flüchtlinge aus dem Libanon fortgesetzt. Am Mittwoch hatten sich etwa 2300 Deutsche in Buskonvois auf den Weg in die syrische Hauptstadt Damaskus oder in die Türkei gemacht. Für Donnerstag und Freitag habe das Außenministerium fünf Charterflüge aus Damaskus organisiert, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zusätzlich stelle die Bundeswehr drei Maschinen, die in Köln/Wahn landen sollen.

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