Massenprotest am Samstag
Putins Angebot spaltet Lager der Kritiker

Die Organisatoren der Kundgebung „für ehrliche Wahlen“ haben sich mit der Stadt auf einen neuen Versammlungsort geeinigt – aber nicht alle Facebook-Protestler ziehen mit. Denn Polizei-taktisch ist es ein perfekter Ort.
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MoskauIst das ein Kompromiss zum Zweck der Deeskalation? Oder hat sich da jemand von Putins Leuten einseifen lassen? Die Kundgebung „für ehrliche Wahlen“, zu der sich für Samstag per Facebook mehr als 34.000 Russen angemeldet haben, soll auf einer Insel im Fluss Moskwa verlegt werden. Der Versammlungsort liegt zwar dem Kreml gegenüber, doch vielen Protestlern wäre der eigentlich vorgesehene Revolutionsplatz zwischen dem Roten Platz und Bolschoi Theater lieber.

Noch immer wächst die Gruppe der Facebook-Protestler fast im Sekundentakt. Auch in vielen anderen größeren Städten sollen Protestkundgebungen stattfinden.

Die „Insel-Lösung“ spaltet aber die Mitglieder: Das eine Lager wähnt Manipulatoren des Kreml hinter der Verlegung und ruft dazu auf, am Samstag um 14 Uhr Ortszeit (11 Uhr MEZ) statt auf die Insel zum Platz der Revolution zu marschieren. Das andere Lager ist für die Kundgebung auf der Insel, denn sie wollen keine Konfrontation mit der Polizei.

Für eine Verlegung hatte sich das Bündnis „Solidarität“ eingesetzt, das zu dieser Veranstaltung aufgerufen hat. Wären am Revolutionsplatz nur lächerliche 300 Menschen zugelassen worden, dürfen auf jener Insel 30.000 legal demonstrieren. Überhaupt scheint die Legalität einigen sehr wichtig zu sein: Im Netz kursiert eine Liste mit Ratschlägen für Erst-Demonstranten. Demnach soll jeder den Anweisungen der Polizei folgen, niemanden beschimpfen, bei Verhaftungen höflich, aber bestimmt auf seine Rechte pochen – Revolution hört sich anders an.

Die Debatte auf Facebook zeigt, wie heterogen Russlands Putin-Kritiker sind: Es gibt welche, die wollen das Regime stürzen – andere verlangen mehr Demokratie. Skeptiker wittern überall Intrigen und Manipulationen, die Optimisten sehen die Verlegung des Versammlungsorts als deeskalierende Maßnahme, die sie unterstützen. Was Zehntausende im Netz eint: Sie sind Putins selbstverliebten Regierungsstil und die Borniertheit der politischen Klasse leid – und die offenbar manipulierten Wahlen des vorigen Sonntags bieten einen angemessenen Vorwand, um diesen Frust zu ventilieren.

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Putins Angebot spaltet Lager der Kritiker

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Nur wenige Straßen führen von der Insel weg

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  • Was sie durcdh Manipulationen und Aufwiegelungen im Umfeld Russland durch z.B. von Soros unterstützten und installieren NGO´s nicht geklappt hat soll jetzt wohl durch Facebook nachgeholt werden. Nun da wissen wir wenistens warum Chris R.Hughes Co-founder von Facebook bei der letzen Bilderberger Konferenz in St.Moriz dabei war (siehe offizielle Webseite Bilderb.)

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