Massenproteste
Griechen stemmen sich gegen Sparpläne

In Hellas regiert der Wutbürger: Hunderttausende Demonstranten protestieren in Griechenland gegen die Sparpläne der Regierung. Die Regierung in Athen zeigt sich davon unbeeindruckt.
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AthenMit der größten Kundgebung seit Monaten haben empörte Griechen in der Hauptstadt Athen gegen das harte Sparprogramm der sozialistischen Regierung protestiert. Nach Medienberichten versammelten sich am Sonntag rund 100.000 Menschen auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament. Aus allen Stadtteilen Athens strömten den ganzen Abend immer mehr Menschen ins Zentrum.

Zu den Protesten aufgerufen hatte die vor allem über das Internet organisierte Bewegung der „Empörten Bürger“. Die Menschen beschimpften die Politiker des Landes als „Diebe und Verräter“. Viele trugen Flaggen Italiens, Argentiniens, Spaniens, Portugals und Irlands und riefen die Völker dieser Staaten und andere Europäer auf, ihnen in ihrem Kampf beizustehen.

Es könne nicht sein, dass immer nur die Arbeitnehmer und Rentner den Preis der Finanzkrise zahlen müssen, hieß es. „Wir sind enttäuscht, verwirrt und haben Angst um die Zukunft unserer Kinder“, sagte eine Frau im Radio. Kundgebungen gab es auch in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki. Die Proteste verliefen zunächst friedlich.

Im Gegenzug für ein zweites Rettungspaket denkt Griechenland trotz der Massenprotesten in der Bevölkerung über eine Verschärfung seiner Sparbemühungen nach. Das Kabinett des hochverschuldeten Euro-Mitgliedslandes erwäge einen Wirtschaftsplan, der noch mehr Einsparungen vorsehe, teilte das Büro von Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Sonntag mit. Am Montag werde das Kabinett informelle Beratungen über ein mittelfristiges Programm abhalten.

Papandreou werde den Plan dann dem politischen Rat seiner regierenden Pasok-Partei am Dienstag vorstellen. Das Vorhaben sehe unter anderem eine neue Privatisierungsbehörde zum beschleunigten Verkauf von Staatsvermögen vor. Am Mittwoch könnte sich das Kabinett dann auf die Sparmaßnahmen verständigen und diese an das Parlament weiterleiten.

Ein zweites Rettungspaket wird notwendig, weil sich der bisherige Plan nicht halten lässt, dass Griechenland ab dem Frühjahr 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehrt. Bleibt der Weg wegen zu hoher Zinsen länger versperrt, würde bis Ende 2013 ein Haushaltsloch von 65 Milliarden Euro aufreißen. Ein Jahr später wären es schon 132 Milliarden Euro. Das seit gut einem Jahr laufende Kreditprogramm ist bereits 110 Milliarden Euro schwer.

Deutschland ist mit 24,4 Milliarden Euro daran beteiligt.

Die Bundesregierung will beim zweiten Rettungspaket für Griechenland neben den Steuerzahlern diesmal auch die Banken zur Kasse bitten. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beharre auf einen erheblichen Beitrag der privaten Gläubiger, berichtete der "Spiegel". Ein von seinen Beamten entwickeltes Modell sieht einen freiwilligen Umtausch von Staatsanleihen in Papiere mit siebenjähriger Laufzeit vor. Wie viel Geld das hoch verschuldete Land noch braucht, blieb am Wochenende unklar. Muss es noch drei Jahre am Tropf von IWF und Euro-Zone hängen, könnten es über 100 Milliarden Euro werden.

Das "Wall Street Journal" meldete unter Berufung auf ranghohe Offizielle, die Banken würden mit 30 Milliarden Euro zur Kasse gebeten. Darauf hätten sich die 17 Regierungen der Euroländer in einer "vorläufigen Vereinbarung" über ein neues Hilfspaket für das angeschlagene Land an der Ägäis geeinigt. In Brüssel war am Sonntag keine Bestätigung zu erhalten.

Ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte zu dem Bericht: "Keinesfalls. Das ist unbegründet." Einer solchen Einigung müssten alle EU-Finanzminister zustimmen. In EU-Kreisen war zu hören, es seien mehrere Szenarien im Gespräch - und dieses könne eines davon sein. Einen Konsens gebe es aber noch nicht.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • bleiben Sie lieber bei der Bild-Zeitung, da wirken Ihre Kommentare geradezu intelligent weil es noch beschränktere Leute als Sie gibt.

  • Selber schuld sage ich, und damit meine ich nicht nur die Griechen sondern alle europäischen Bürger und vor allem die Deutschen. "Nur das dümmste Schaf wählt seinen Schlachter selber". Und das machen die Deutschen seit Jahrzehnten in dem sie immer wieder die Einheitspartei CDU/CSU/SPD/FDP/GRÜNE wählen und mittlerweile muss man wohl auch die LINKE dazu zählen. Zudem haben sich die freien Bürger zu reinen Konsumenten degradieren lassen die man mit jeder Dummheit in den MSM in Panik versetzen kann. Dann wird über BSE, Schweinegrippe, Vogelgrippe, Baumsterben, EHEC diskutiert als gäbe es kein Morgen mehr, oder man geht zu 10tausenden gegen einen Bahnhof auf die Strasse obwohl im Hintergrund die Menschenrechte durch die EUrokraten, z.B. mit dem Lissabon Vertragswerk, demontiert werden. Ich sehe hier in Deutschland hauptsächlich Menschen die keine Ahnung von den wichtigen Themen haben die die Welt bewegen und die die Zukunft ihrer Kinder betreffen. Stattdessen wird vor der Glotze DSDS und Big Brother geschaut, jeder Dreck gegessen den der Supermarkt hergibt und jedes Medikament geschluckt die die Pharma ihnen vor die Füsse wirft. Politisch oder gesellschaftlich will sich von selbst niemand engagieren. Diesen Bürger sind zwar jetzt wütend geworden, aber nicht weil sie wissen wie man sie abschlachten will, oder gar um sich gegen diese Dehumanisierunng und Ausbeutung zu wenden, sondern weil sie nicht so gedankenlos weitermachen können wie bisher.

  • wer hat am meisten in Griechenland zu verlieren?
    .
    Die Franzosen haben am meisten zu verlieren. Nach einem Bericht von Reuters schulden die Hellenen den franzoesische Banken ueber 56 Milliarden Euro. Die Crédit Agricole hat alleine 27 milliarden Euro bei den Griechen.
    Klar das die Franzosen auf einen staatlichen Bailout draengen, bei denen Deutschland der groesste Zahler sein wird.
    Deutsche Steuern um franzoesische Banken zu retten.
    Zeit das wir auf die Strasse gehen und unseren Unmut deutlich machen.

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