Massenprozess
Proteste gegen Skandalurteil in Ägypten

Innerhalb von zwei Prozesstagen wurden in Ägypten mehr als 500 Anhänger von Mohammed Mursi zum Tode verurteilt - viele von ihnen in Abwesenheit. Die Europäische Union und die USA protestierten gegen das Skandalurteil.
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Minia/KairoDie mehr als 500 in einem Massenprozess gegen Islamisten in Ägypten verhängten Todesdurteile haben international heftige Kritik ausgelöst. Todesstrafen seien nicht zu rechtfertigen, teilte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Montagabend in Brüssel mit. Menschenrechtler sprachen in ersten Reaktionen von einem Skandalurteil.

Auch die USA zeigten Unverständnis. Ein Gericht in der oberägyptischen Stadt Minia hatte zuvor 529 Angeklagte unter anderem wegen Mordes zum Tode verurteilt. Es ist der Prozess mit der höchsten Zahl von Todesurteilen in der Geschichte des Landes. 16 Angeklagte wurden nach Angaben der Justiz freigesprochen.

Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten den Mord an einem stellvertretenden Bezirks-Polizeikommandeur, Angriffe auf Regierungsgebäude und Brandschatzung von Kirchen der christlichen Kopten vor.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Auch befinden sich derzeit nur 135 Verurteilte im Gewahrsam der Justiz. Die übrigen Angeklagten wurden in Abwesenheit verurteilt.

Das Verfahren in Minia wurde ungewöhnlich zügig durchgezogen. Die Verurteilungen erfolgten bereits am zweiten Verhandlungstag. Die Verteidigung beanstandete, sie habe keine Gelegenheit gehabt, ihre Argumente vorzubringen. Sie will Medienberichten zufolge in Berufung gehen.

Die Islamisten in der Provinz Minia hatten im Sommer 2013 gegen die Entmachtung des aus ihren Reihen stammenden Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär demonstriert. Mursi-Anhänger machten damals im ganzen Land ihrer Empörung über die Absetzung des gewählten Staatschefs Luft.

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Grausame Todesstrafe

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