Matteo Renzi
Unternehmers Liebling

Industrielle und Unternehmer lieben ihn. Und auch der Markt feiert die Meuterei in Rom. Matteo Renzi droht zwar die Spaltung in der eigenen Partei. Aber in der Wirtschaft kann er punkten – obwohl er ein Linker ist.
  • 0

MailandDass ein linker Politiker soviel Unterstützung von den Unternehmern erhält, ist eher selten. Aber Matteo Renzi, der sich anschickt, Enrico Letta als nächsten italienischen Ministerpräsidenten zu beerben, gilt auch bei der mächtigen Industrievereinigung Confindustria als Hoffnungsträger Italiens. Der erfolgreiche Kaschmirunternehmer Brunello Cucinelli und der Chef des weltgrößten Brillenherstellers Luxottica Andrea Guerra und der Hedge-Funds-Manager Davide Serra gehören zu seinen größten Fans.

39 Jahre jung, ehemaliger Pfadfinder-Vorsitzender und Bürgermeister von Florenz, profitiert Renzi von seiner Außenseiterposition. Er saß noch nie im römischen Parlament. Schon vor zwei Jahren hatte er wörtlich gefordert, die alten Kader seiner Partei PD zu „verschrotten“. Das brachte ihm in der Partei nicht nur Freunde ein – dafür aber den Spitznamen „Verschrotter“. Als er dann im Dezember im zweiten Anlauf mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit von 1,8 Millionen Italienern zum neuen Parteisekretär gewählt wurde, machte er damit ernst. Sein Führungszirkel besteht aus überdurchschnittlich jungen Menschen, die auch noch mehrheitlich weiblich sind.

Jetzt hat er auch noch Königsmord begangen und trotz gegensätzlicher Bekundungen keine Neuwahlen abgewartet, sondern den Parteigenossen Letta gestürzt. Warum? Weil es ihm mal wieder nicht schnell genug ging. Die Reformen nicht und der eigene Weg an die Macht wohl auch nicht. Bei seiner Meuterei bekam Renzi Unterstützung vom Confindustria-Präsidenten, Giorgio Squinzi, persönlich. Der kanzelte das eilig vorgestellte Programm von Letta noch am Donnerstag als gute Analyse, aber falsche Lösungen ab.

Wer Renzi maßlosen Ehrgeiz vorwirft, dem widerspricht der Betroffene nicht, weil er darin nichts negatives sieht. In seiner Rede, die den Anfang vom Ende Lettas einleitete, sagte er: „Wir müssen einen maßloses Ehrgeiz haben: der Parteisekretär ebenso wie der letzte Delegierte“. Seine Vorbilder sind Barack Obama und Nelson Mandela, dessen Bild schon seit langer Zeit sein Büro schmückt.

Renzi steht für eine neue Demokratische Partei, die weniger ihrer postkommunistischen Vergangenheit nachtrauert und stärker Realpolitik betreibt. Kritiker werfen ihm vor, ein Populist zu sein und die Partei nach rechts zu rucken. Er ist sich nicht zu schade, in schwarzer Lederjacke in der beliebten Talent-Show „Amici“ im italienischen Fernsehen aufzutreten. Das ist in Italien durchaus unüblich. Politiker zeigen sich meist in Anzug und Schlips und in Talkshows.

Kommentare zu " Matteo Renzi: Unternehmers Liebling"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%