Maybrit Illner
„Keine Panik“ vor Donald Trump

Talkshow-Dauerbrenner Donald Trump – bei „Maybrit Illner“ dreht sich die Diskussion die zweite Woche in Folge um den neuen US-Präsidenten. Im Mittelpunkt stand jedoch nicht Trump, sondern Putin.
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BerlinIst Donald Trump eine Bedrohung für die Demokratie? Das war die Leitfrage, mit der sich die Runde bei „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend beschäftigte. Den Grundton des x-ten Trump-Talks der vergangenen Wochen setzte Wolfgang Ischinger, Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, der angesichts von Trumps Politik große Sorgen hat. Aber: „Ich sehe überhaupt keinen Anlass für Panik, dass hier das Verfassungsgefüge ausgehebelt wird.“ Überhaupt war die Runde fast einhellig überzeugt, dass das demokratische System und die Justiz der USA den Präsidenten einhegen werden. Das Gespräch driftete jedoch bald von Trump zu diversen anderen außenpolitischen Schauplätzen.

Zum Beinahe-Eklat kam es, als Julian Reichelt, frisch berufener Vorsitzender der „Bild“-Chefredaktionen, und Matthias Platzeck, ehemaliger SPD-Chef, über die Rolle von Russlands Präsident Wladimir Putin in Syrien und in der Ostukraine aneinandergerieten. Illner hatte die Frage gestellt, ob sich Trump und Putin ähnlich seien. Reichelt hielt dem Vorsitzenden des Deutsch-Russischen Forums vor, Lobbyarbeit pro Moskau zu machen – „bezahlt oder unbezahlt“. Der frühere brandenburgische Ministerpräsident reagierte empört. „Das ist jetzt wirklich ein Hammer, das muss ich mir nicht bieten lassen. Diese Art von Denunziation habe ich zuletzt in der DDR erlebt.“

Die Wogen glätteten sich aber schnell wieder und das Gespräch plätscherte etwas dahin - was auch an den eher blassen weiteren Gästen lag. Wer war noch da? Die US-amerikanische Bestseller-Autorin Deborah Feldman, die eigentlich für den Demokraten Bernie Sanders war und darauf setzt, dass Trump wegen Verfehlungen schon bald des Amts enthoben wird. Die Rolle des Trump-Unterstützers übernahm Peter Rough, Experte für Fragen der nationalen Sicherheit am Hudson Institute, einer konservativen amerikanischen Denkfabrik.

Zusätzlich zur klassischen Gewaltenteilung sollen im demokratischen System der Vereinigten Staaten weitere Maßnahmen von „checks and balances“ einen Machtmissbrauch verhindern. Josef Braml, Politikwissenschaftler und USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, analysierte diese Maßnahmen und sah in Trumps Vorgehensweise durchaus „eine Gefahr für die Freiheit“. Platzeck riet trotzdem: „Abwarten.“ Die Deutschen sollten lieber überlegen, wie sie sich der Entwicklung zum Populismus entgegenstellen könnten. Die „Erotik der Demokratieerlebung“ sei verloren gegangen, dabei sei die Demokratie doch eine „Überlebensversicherung“.

Für Maybrit Illner war der Abend eine Art Mini-Comeback, nachdem sie vergangene Woche erkrankt aussetzen musste und Kollege Matthias Fornoff die Moderation übernahm. Am Kinn trug die 52-Jährige ein Pflaster, das zwar gut überschminkt war, aber in der Totale trotzdem auffiel.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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