McKinsey-Studie
Klimaschutz macht Indien zu schaffen

Indien muss in den nächsten 20 Jahren bis zu 750 Mrd. Euro investieren, wenn es die Treibhausgasemissionen auf das Doppelte des aktuellen Werts begrenzen will. McKinsey beziffert die Kosten dafür bis 2030 auf 750 Milliarden Euro. Schwellenländer verlangen deshalb mehr Geld von Industriestaaten für den Kampf gegen den Klimawandel.

NEU-DELHI. Ohne ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen werde sich der CO2-Ausstoß bis 2030 nahezu vervierfachen, warnt die Unternehmensberatung McKinsey in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. Indien ist schon heute der viertgrößte Emittent weltweit.

Die Studie wird den heftigen Streit zwischen Industrie- und Schwellenländern über eine gerechte Verteilung der Kosten des Klimaschutzes weiter anheizen. Die Europäische Union will den armen Ländern auf dem Klimagipfel Ende des Jahres in Kopenhagen zwar Finanzhilfen im Umfang von bis zu 14 Mrd. Euro jährlich anbieten, wie aus einem aktuellen Papier der Brüsseler Kommission hervorgeht. Indien, China und viele Entwicklungsländer verlangen aber ein Vielfaches dieser Summe. Drei Monate vor dem Kopenhagen-Gipfel wächst deshalb die Sorge vor einem Scheitern. Die USA haben bisher keinerlei Finanzhilfen angeboten. "Die Verhandlungen bewegen sich viel zu langsam, jeder duckt sich weg", warnte die dänische Umweltministerin und Gipfel-Gastgeberin Connie Hedegard.

Die US-Regierung und die EU fordern von China, Indien und den anderen großen Schwellenländern, dass sie in Kopenhagen erstmals verbindliche Ziele zur CO2-Minderung akzeptieren. Die EU hat dies zur Bedingung gemacht, bevor sie einen Teil ihrer Einnahmen aus dem Emissionshandel an die ärmeren Länder abgeben will. China, neben den USA der weltgrößte Klimasünder, und Indien lehnen jedoch bindende Reduktionsziele entschieden ab. Sie fürchten, dass die hohen Kosten des Klimaschutzes ihre wirtschaftliche Aufholjagd gefährden und sehen die Industrieländer in der Pflicht, weil dort die CO2-Emissionen pro Einwohner um ein Vielfaches höher sind.

So muss Indien laut der McKinsey-Studie "Umwelt- und Energienachhaltigkeit: Ein Weg für Indien" jährlich zwischen 1,8 und 2,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in den Klimaschutz investieren, wenn es den Anstieg der CO2-Emissionen bis 2030 auf das Doppelte begrenzen will. Eine ähnliche Größenordnung sagen chinesische Wissenschaftler für China voraus. Diese Ausgaben hätten aber auch einen großen wirtschaftlichen Nutzen, betont McKinsey. Indien werde bis 2030 zum drittgrößten Energieverbraucher der Welt, es werde 90 Prozent seines Öl- und 40 Prozent seines Kohlebedarfs importieren müssen. Mit Investitionen in klimafreundliche Energiequellen wie Atom-, Solarenergie und Wasserkraft sowie einer verbesserten Energieeffizienz in der Industrie, der Landwirtschaft und dem Gebäudesektor könne das Land allein bei Ölimporten 24 Mrd. Euro im Jahr 2030 sparen.

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