Medien in Russland
Kampf den Auslandsagenten

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„Deutsche Welle führt Propagandafeldzug gegen Russland“

Duma-Vizechef Pjotr Tolstoi, selbst bis 2016 TV-Moderator, erklärte, das Gesetz habe keine Auswirkungen auf Korrespondentenbüros oder ausländische Korrespondenten, da diese ohnehin beim Außenministerium akkreditiert sein müssten und deren Arbeit folglich auch vom Ministerium reguliert werde. Auch soziale Netzwerke sind laut Tolstoi vorläufig von der Regelung ausgenommen.

Als Ziel hat die Duma in erster Linie die staatlichen US-Auslandssender Voice of America und Radio Liberty ins Auge gefasst. Beide senden seit Jahren auch in russischer Sprache. Laut dem Vizefraktionschef der Kremlpartei „Einiges Russland“, Andrej Isajew, sollen aber auch die Deutsche Welle (DW) und CNN unter diese Regelung fallen. „Es gibt noch eine Reihe anderer“, sagte Isajew.

Der Chef des Duma-Informationsausschusses, Leonid Lewin, betonte, dass es nicht um eine Einschränkung der Pressefreiheit gehe und es sich um eine Ausnahmemaßnahme als Reaktion auf die Beschränkungen in den USA handle. Mit der Erweiterung des Auslandsagentenregisters auf nichtstaatliche und nichtamerikanische Medien geht Moskau über die angekündigten „spiegelgleichen“ Sanktionen hinaus. Der russische Politologe Vitali Tretjakow begrüßt die Maßnahme trotzdem: „Deutsche Welle gehört zweifellos zu den Medien, die einen Propagandafeldzug gegen Russland führen.“ Eine Begrenzung dieser Tätigkeit sei daher – unabhängig von der Lage um RT – aus russischer Sicht notwendig, meinte er.

Den Vorwurf der Propagandatätigkeit wies DW-Sprecher Christoph Jumpelt gegenüber dem Handelsblatt als „sachlich völlig falsch“ zurück. Sein Sender stehe für den freien Austausch von Informationen. Da der Sender noch keine offizielle Benachrichtigung über eine bevorstehende Aufnahme auf eine Schwarze Liste habe, wolle man erst einmal abwarten. Jumpelt wertete die Aussagen Isajews als „Meinung eines russischen Abgeordneten.“

Deutsche Welle ist in Russland über Kabel zu empfangen, sendet sein Fernsehprogramm aber nur in deutscher und englischer Sprache. Im Internet hat der Sender allerdings auch einen russischsprachigen Auftritt.

Bislang wurden in Russland schon Dutzende NGOs als „ausländischer Agent“ zwangsregistriert. Die Aufnahme in das Register ist mit ähnlichen Restriktionen wie in den USA verbunden: Eine verschärfte finanzielle Kontrolle und die Markierung eigener Materialien mit dem Vermerk „Auslandsagent“. Sollten sich die Medien dieser Registrierung verweigern, drohen ihren Vertretern die Abschiebung aus Russland.

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