Das Auswärtige Amt hat China in einer vertraulichen Lageanalyse laut „Spiegel“-Bericht „signifikante“ Menschenrechtsverletzungen und schwere Verstöße gegen Demokratiegrundsätze angekreidet. Zwar seien Besserungen erkennbar, heiße es in dem Bericht vom 18. März. Doch immer noch würden Todesstrafen „exzessiv verhängt und vollstreckt“, Gesetze zugunsten „politischer Ziele eingesetzt oder ignoriert“ und Dissidenten so lange in Haft gehalten, wie es „nach Gesichtspunkten politischer Opportunität“ erwünscht sei. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es dazu am Samstag nur, die kritische Einschätzung zur Lage der Menschenrechte in China sei bekannt.
Von olympischem Glanz war beim Fackellauf in Nagano, der Stadt der Winterspiele von 1998, nichts zu spüren. Polizisten schirmten die 80 Fackelträger in dichten Reihen so ab, dass das olympische Feuer kaum zu sehen war. Mehr als 3000 Polizisten sorgten entlang der 18,7 Kilometer langen Strecke dafür, dass angesichts hunderter pro- chinesischer und pro-tibetischer Demonstranten Zusammenstöße wie in Paris oder London ausblieben.
Ein Taiwanese und zwei Japaner wurden beim Versuch, den Trägern die Fackel zu entreißen, blitzschnell von den Sicherheitskräften überwältigt. Ein anderer Japaner warf Eier auf die Läufer. Rund 2000 chinesische Studenten waren aus dem ganzen Land nach Nagano gereist und bekundeten mit einem Meer aus roten Nationalfahnen Unterstützung für ihre Regierung. Zugleich protestierten Tibet-Aktivisten gegen die chinesische Unterdrückung Tibets und forderten in lauten Sprechchören ein „freies Tibet“.
„Vor zehn Jahren haben wir hier mehr lächelnde Gesichter und japanische Fahnen gesehen“, sagte der 63-jährige Hitoshi Yamamura aus Nagano in Erinnerung an die Winterspiele 1998 in Nagano. Nach dem Fackellauf wurde die Flamme im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen zurück nach Tokio gebracht. Noch in der Nacht sollte sie in die südkoreanische Hauptstadt Seoul geflogen werden, wo etwa 8000 Polizisten aufgeboten werden sollen, um den Fackellauf gegen Störungen abzusichern.


