Medienbericht
Berlusconi-Abgeordnete wollen offenbar zurücktreten

Einen Tag nach dem Richterspruch gegen Silvio Berlusconi gerät die italienische Regierung offenbar doch ins Wanken. Nach Medienberichten protestieren Abgeordnete seiner Partei gegen das Urteil – und wollen zurücktreten.
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RomAus Protest gegen die Verurteilung ihres Parteichefs Silvio Berlusconi wollen die Abgeordneten der rechtsgerichteten Partei Volk der Freiheit (PdL) in Italien zurücktreten.

Die PdL-Parlamentarier hätten ihren jeweiligen Fraktionschefs in beiden Parlamentskammern ihre Rücktrittsgesuche übermittelt, berichteten italienische Medien am Freitagabend. Die PdL ist Bestandteil der derzeitigen Regierungskoalition unter Ministerpräsident Enrico Letta, die damit massiv unter Druck geriet.

Solche Drohungen hatte es bereits vor der Verurteilung Berlusconis gegeben, nun wurde ein konkretes Ziel genannt: Staatspräsident Giorgio Napolitano soll so aufgefordert werden, eine Amnestie für Berlusconi auszusprechen.

Zuvor hatte Italiens Regierungschef Letta, der von einer Koalition aus Berlusconis konservativer PdL und der linken Demokratischen Partei (PD) getragen wird, die Parteien zur Vernunft aufgerufen und an ihre Verantwortung appelliert. Er hoffe, dass sich die Interessen des Landes in diesem heiklen Augenblick durchsetzten und die Regierung nicht zermürbt werde, sagte Letta in Rom. Er warnte: „Ich werde nicht um jeden Preis weitermachen, das wäre auch nicht im Interesse Italiens.“

Die PdL-Abgeordneten fassten ihren Beschluss den Angaben zufolge bei einem Treffen in Rom. Dabei wurde Berlusconi nach Berichten von Teilnehmern mit stehenden Ovationen begrüßt. Sollten die PdL-Politiker ihre Drohung wahr machen, wäre die Regierung am Ende. Offen blieb am Freitag, ob sie dies tatsächlich tun.

Bei dem Treffen seiner PdL soll Berlusconi, die Leitfigur des rechten Lagers, zwar von möglichen baldigen Neuwahlen gesprochen haben. Er habe aber auch deutlich gemacht, dass die Interessen des Landes jetzt vorgehen müssten, hieß es. „Keine übereilten Entscheidungen“, habe Berlusconi gesagt, wurde Reform-Minister Gaetano Quagliariello nach der Sitzung zitiert.

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Berlusconi-Abgeordnete wollen offenbar zurücktreten

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Was das Urteil für Berlusconi bedeutet

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  • Und Sie könnten altbacken Xenophob wirken - oder?

  • Ein Stab für die Türken - Kohls vermeintliches Geheimprotokoll ist ja nun auch schnell wieder verschwunden. Woran könnte das liegen?

    Man darf sich mal nicht so von der äusseren Erscheinung blenden lassen. Von allen Zuwanderen sind die Türken die zugänglichsten und vernünftigsten. Als Fallbeispiel kann ich nur meine persönliche Erfahrung nehmen, und auch wenn die türkischen Jugendlichen raubaukenhaft untereinander scheinen, wenn ich sie angesprochen habe, waren die wie ausgewechselt und ausgesprochen höflich. Die haben Kultur und Erziehung.
    Die passen vom Charakter am besten zu den Deutschen. Und die Türken, auch die Jugendlichen, haben viel weniger Vorurteile, als man ihnen so unterstellt. Die Türken sind die, die auf die Deutschen zugehen und zwischen Deutschen und Türken gibt es die meisten Freundschaften. Die spielen zusammen in Fussballvereinen und im Arbeitsleben kommen die sehr gut miteinander aus.

    Vielleicht liegt das daran, dass die Türken einst vor Wien lagerten? Vielleicht daran, weil der äussere Unterschied am grössten ist? Die wirken für einen Deutschen am geheimnisvollsten und vice versa. Trotzdem ist da die grösste Übereinkunft.

    Und Russland und Deurschland, das merkt man immer wieder, verknüpft ein geheimnisvolles Band. Die Russen werden trotz Stalin und Krieg immer am vehementsten von den Deutschen verteidigt.

    Die Italiener wirken dagegen richtig fremd.

  • Italien ist praktisch noch nie richtig regiert worden. Regierungschaos hat da eine lange Tradition. Das ist der Normalzustand. Das scheint nur so, als sei da nun die Hölle los.

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