Medienbericht
Betancourt wurde möglicherweise freigekauft

Ingrid Betancourt war kaum in Freiheit, da äußerten Beobachter in Kolumbien erste Zweifel daran, ob sich die wundersame Rettung der Politikerin und 14 ihrer Leidensgenossen aus den Händen der Linksguerilla FARC tatsächlich so abgespielt habe, wie es die Regierung in Bogotá behauptet.

MEXIKO-STADT. Zum einen seien die Aussagen der befreiten Militärs vorbereitet gewesen, hieß es, zum anderen seien die Hubschrauber, mit denen die Geiseln in die Freiheit flogen, vom Roten Kreuz gewesen. Zudem fiel die Abgeklärtheit auf, mit der die Geretteten am Mittwoch nur zwölf Stunden nach der Freilassung auf der Luftwaffenbasis von Bogotá vor die Mikrofone traten.

Auch der gute Zustand von Betancourt und die Nähe zum Besuch des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers John McCain in Bogotá am Vorabend der Aktion ließen es für möglich erscheinen, dass zumindest die Befreiung schon ein paar Tage zurückgelegen haben könnte.

Einen schwereren Verdacht äußerte am Freitag der Schweizer Radiosender RSR. Demnach seien Betancourt und die anderen Geiseln von der kolumbianischen Regierung frei gekauft worden. Der konservative Präsident Álvaro Uribe habe an die Kidnapper ein Lösegeld von zwanzig Millionen Dollar gezahlt, berichtet RSR unter Berufung auf eine "zuverlässige Quelle", die sich in rund 20 Jahren der Zusammenarbeit als vertrauenswürdig erwiesen habe.

Die Befreiung, wie sie der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sei demnach nur eine "Maskerade" gewesen, von der vermutlich nicht mal die Geiseln gewusst hätten, berichtet RSR weiter.

Hinter der Lösegeldzahlung steckten die USA. Unter den Freigelassenen befanden sich auch drei US-Bürger, die vor Jahren entführt wurden. Sie seien Mitarbeiter der US-Bundespolizei FBI gewesen, die an die US-Antidrogenbehörde DEA abgestellt worden seien.

Laut RSR sei die Frau eines Wächters der Geiseln der Drahtzieher der Aktion gewesen. Sie sei nach ihrer Festnahme durch die Armee wieder in die Reihen der FARC eingeschleust worden und über sie seien dann die Verhandlungen zur Lösegeldübergabe gelaufen. Demnach war der Deal offenbar nicht mit den obersten Stellen der FARC abgesprochen, sondern mit der Einheit, welche die Geiseln in ihrer Gewalt hatte.

Diese Inszenierung der Befreiung erlaube es Uribe, öffentlich an seinem Kurs der Harten Hand gegen die Rebellen festzuhalten, berichtet RSR. Der Staatschef hat offiziell immer kategorisch Gespräche mit der FARC ausgeschlossen, solange die Rebellen nicht alle Geiseln auf freien Fuß gesetzt haben.

Derzeit steckt Uribe wegen seiner möglichen Kontakte zu den rechten Paramilitärs und dem Vorwurf des Stimmenkaufs für seine Wiederwahl 2006 innenpolitisch unter Druck. Die spektakuläre Freilassung lässt ihn jetzt als den großen Sieger dastehen.

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