Medienbericht

Hollande hat Bedenken gegen Schäuble

Der neue französische Präsident Francois Hollande hat Schwierigkeiten damit, den Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Eurogruppen-Chef zu akzeptieren. Es sei denn, Schäuble erfüllt eine wichtige Bedingung.
Update: 20.05.2012 - 10:17 Uhr 52 Kommentare
Der neue französische Präsident Francois Hollande. Quelle: AFP

Der neue französische Präsident Francois Hollande.

(Foto: AFP)

HamburgDer neue französische Präsident François Hollande hat laut einem "Spiegel"-Bericht erhebliche Vorbehalte gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) als nächsten Chef der Eurogruppe.

Hollande habe die Verantwortlichen in Brüssel wissen lassen, dass er einen deutschen Vorsitzenden der Euro-Finanzminister nur sehr schwer akzeptieren könne, berichtete das Nachrichtenmagazin am Sonntag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Als Bedingung nannte er demnach einen Verzicht Schäubles auf seinen Posten als Finanzminister.

Schäuble gilt seit längerem als möglicher Kandidat für den Vorsitz der Eurogruppe. Diese ist das wichtigste Gremium der Währungsunion im Kampf gegen die Schuldenkrise. Ihr derzeitiger Chef, der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker, will die Leitung Ende Juni wegen der hohen Arbeitsbelastung abgeben. Die Neubesetzung des Postens ist Teil eines Machtpokers in der Europäischen Union.

Zur Diskussion könnte die Bestellung bereits auf dem informellen EU-Gipfel Mitte nächster Woche und dann beim nächsten offiziellen Gipfel im Juni stehen. Die Besetzung des Eurogruppen-Vorsitzendes dürfte Teil eines personalpolitischen Entscheidungspakets sein, zu dem auch der Chefposten beim neuen dauerhaften Rettungsmechanismus ESM und ein frei werdender Posten im EZB-Direktorium zählen.

  • afp
  • rtr
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52 Kommentare zu "Medienbericht: Hollande hat Bedenken gegen Schäuble "

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  • Bleiben Sie sachlich! Sie argumentieren, der Verkäufer sei schuld, nicht der gierige Kunde mit leeren Taschen. Tatsache ist, dass aufgrund unserer hohen Arbeitskosten die Wertschöpfung im D stark gesunken ist. D.h. in z.B. jedem Daimler stecken die Produkte vieler Länder drin. Mit jedem deutschen Export iat also eine steigende Menge Import verbunden.

  • Importüberschüsse müssen finanziert werden. Ist man bereits hoch verschuldet, ist das ein Problem. Der gesamte Importüberschuss Europas wäre um ein Vielfaches höher, wenn D nicht so ein Exportweltmeister wäre an Länder außerhalb Europas (D liefert weniger als 50% seines Exportvolumens an europäische Länder mit weiter sinkender Tendenz - weil Wachstum woanders in der Welt stattfindet). Ich verstehe daher nicht, warum es Europa helfen soll, seine Importüberschüsse (Weltmeister ist hier übrigens Griechenland!) zu steigern, indem D weniger exportiert. Blickt das jemand hier?

  • Nein, dem stimme ich nicht zu. Bloss warum soll man für etwas zahlen, womit man eigentlich nichts zu tun hat? Deutschland bezahlt seit eh und je seine Beiträge zur EU. Was hier passiert, war nicht abgemacht. Wenn Hollande seine Meinung ändert, dann muss er das anderen auch zugestehen - und zwar ohne Zirkus.

  • Deutschland baut eine gigantischen Schuldenberg im Ausland auf (über 1000 Mrd, weil es nicht begreift, dass in einer Währungsunion die Exporteuphorie tatsächlich ins Verderben führt, weil die deutsche "innere Abwertung" durch Dumpinglöhne und Niedriglohnsektor, den Rest Europas und uns mit in den Ruin treibt

    Sie sagen es selbst, es funktioniert nicht. Die Wirtschaftsysteme sind zu unterschiedlich. Jetzt mit dem Hobel drüber und dann sind wir alle gleich, wird nicht funktionieren. Nein, es ist absolut vorrangig, dass die Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt und diesen Wettbewerbsvorteil nach Möglichkeit ausbaut. Darauf muss man sich konzentrieren. Sonst kann man in zehn Jahren Däumchen drehen, weil die Chinesen dann alles machen.

  • Werter Popper,

    es geht hier doch nicht um "Vernunft" oder gar darum, ein Problem zu lösen - eher um "Hab ich Euch das nicht schon immer gesagt?", "Da hätten wir früher aber mal besser ..." und "Seht: Ich hatte Recht".

    Das ist so öööööde ... phantasielose Gartenzwerge, die über dem Stammtisch kreiseln und allen Ernstes denken, das wäre jetzt die Weltherrschaft.

    Zu blöd nur: Seit einer Woche hat es sich was mit "Deutschland befiehl, wir folgen Dir!" und "Komm wir hungern uns zu Tode ... naja, wir lassen die anderen sich zu Tode hungern ... und dann geht es uns besser"

    Ich finde es ganz okay, daß sich der deutsche Größenwahn, diese ewige Rechthaberei, die "maladie allemande", wie Foucault das schon in den 70ern so schön beschrieben hat, gerade mit der Realität konfrontiert sieht - und die ist nun einmal KOMPROMISS.

    Mal gucken, wie lange diese in Moskau ausgebildete Oberkapitalistin das noch durchhält.

    Wir ahnen schon, wie die Jungs hier kreischen werden, wenn Mme. die nächste 180° Wende machen wird und, ahem, das wird nicht lange dauern, weil ihr am Ende nichts anderes übrig bleibt: Ihre absolut dogmatische Politik ist krachend gescheitert, sie wartet halt ab, bis sie es dann zugibt und so tut, als sei sie schon immer ...

    Grüße

  • @Hardie67
    Deutschland begleicht keine Schulden anderer, sondern die Forderungen der Gläubiger-Banken. Dieses dumme Gerede vom Zahlmeister Deutschland ist Volksverdummung. Von den geflossenen 73 Mrd an Griechenland sind 70 Mrd an die Banken geflossen und nur 3 an Griechenland. Dass andere unsere Waren haben wollen, ist eine Seite der Medaille, die andere ist, dass wir anderen unsere Waren verkaufen. Das geht aber nur, wenn die Käufer sich bei uns verschulden, was nichts anderes bedeutet als, wir müssen ihnen die Kredite einräumen, indem wir ihre Schulden stunden. Wenn wir immer nur verkaufen wollen und nicht durch Abbau der Überschüsse den anderen Gelegenheit geben uns Waren zu verkaufen, dürfen wir uns nicht wundern, dass uns die Schuldner abhanden kommen, indem sie irgendwann zahlungsunfähig sind. Diesen Zustand haben wir jetzt erreicht. Und das führt eben dazu, dass wir faktisch den Daimler, Fiat, Porsche oder BMW mittlerweile selbst finanzieren und zwar über die Target2 Salden. Im Übrigen verstehen Sie offenbar nicht, dass ein Staaten keine Privatpersonen sind und verwechseln das auch ständig. Anstatt sich zu informieren und volkswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen zu lernen, bemühen Sie immer wieder ihr Halbwissen und halten das für plausibel. Ist es aber nicht.

  • "weil die deutsche "innere Abwertung" durch Dumpinglöhne und Niedriglohnsektor, den Rest Europas und uns mit in den Ruin treibt."
    Da haben Sie ja sogar Recht. Aber Sie vertreten offenbar die Logik, dass Deutschland dafür zahlen müsse und quasi die Schulden der Anderen begleichen soll.
    Das ist aber der kritisierte Schwachsinn. Weil andere Länder unsere Waren haben wollen und sich dafür verschulden, dann können weder diese Länder noch Sie verlangen, dass wir diese Waren auch noch selbst zahlen.
    Sie können nicht zum Daimler-Händler gehen, einen Benz bestellen und dann sagen: Geben Sie mir mal das Geld, damit ich bezahlen kann.
    Niemand hat die Europäer gezwungen, sich Daimler, BMW und Porsche zu kaufen. Wenn ihnen ein FIAT nicht mehr reicht, dann müssen sie denn BMW auch bezahlen können. Geht mir leider auch nicht anders.

  • @....?!
    Denjenigen, die sich an mir hier so unqualifiziert abarbeiten sei ins Stammbuch geschrieben, dass eben offenkundige Unwissenheit nicht mit Sprüchen kompensiert werden kann. An ihren Kommentaren zeigt sich, wie leicht man in die Irre geführt wird, wenn man den Sprüchekloppern auf den Leim geht. Wer tatsächlich den Hinweis von @Oldi: http://www.youtube.com/watch?v=FqoJzcb6dxM sich angehört und auch verstanden hat, konnte erkennen, dass Wilhelm Nölling genau das bestätigt, was ich in meinem Kommentar geschrieben habe. Deutschland baut eine gigantischen Schuldenberg im Ausland auf (über 1000 Mrd, weil es nicht begreift, dass in einer Währungsunion die Exporteuphorie tatsächlich ins Verderben führt, weil die deutsche "innere Abwertung" durch Dumpinglöhne und Niedriglohnsektor, den Rest Europas und uns mit in den Ruin treibt. Auch wenn das viele nicht verstehen, das Ergebnis ist aus volkswirtschaftlicher Sicht sonnenklar. Insoweit kann ich niemand daran hindern, weiter ökonomischen Unfug zu verbreiten.

  • Ach, tatsächlich! Und was hat D davon dass er seine Prinzipien treu geblieben ist und aus Protest nicht mehr am Entscheidungstisch sitzt? Ach, ja-wir haben Mario Draghi und der Rest. Die Bundesbank ist genauso am A*** aber die EZB ist von Menschen geleitet, die Weber nicht das Wasser reichen können, wenn es um Finanzen geht. Er wollte aber den 'Harten' spielen und davon haben wir in D nichts. Ja, das ist Dummheit! Man muss vorher abwegen ob es sich lohnt die Schlacht zu gewinnen oder den Krieg.

  • Was für eine treffende Analyse, Herr Dr. Leineweber.
    Mit ihnen bin auch ich der Meinung, es gibt keinen besseren Vorsitzenden für die €urogruppe wie Wolfgang Schäuble. Nicht dass er ohnehn schon als französischer Trojaner anzusehen ist, nein, auch seine Vergangenheit in D zeichnet ihn dafür aus. Denken wir nur an die Angelegenheit mit dem Koffer und den hundertausend Mark von Schreiber. Der kommt ja jetz auch wieder aus dem Gefängnis. Hat nicht lange gedauert das Einsitzen - das Schweigen hat sich doch gelohnt. Oder waren es nicht doch zweimal hundertausend Mark?. Wie dem auch sei, Wolfgang S als schwer pflegebedürftiger und inkontinenter Patient und wendet auch noch 40 v.H. seiner Arbeitszeit als FM für Pressearbeit auf (eigene Angaben). Da kann nicht viel für Deutschland dabei rauskommen, ausser dass man für die Schulden anderer die Zukunft des Landes verpfändet. Einen Orden, mehr, für Wolfgang S. Wie lies er noch vor kurzem verlauten: Der ESM diene nicht zur direkten Bankenrettung, die sei nicht vorgesehen und auch nicht politisch erwünscht. Wolfi kennt nicht mal die Vertragswerke die er selber mit augehandelt haben will. Alle gehen davon aus, dass mit dem Geld aus dem ESM direkt Süd-Banken gerettet werden. Die Vorschrift lautet auszugsweise (BT-Drks. 17/9045 v. 20. 03. 2012):
    „Zweck des ESM ist es, Finanzmittel zu mobilisieren und ESMMitgliedern, …. eine Stabilitätshilfe bereitzustellen, wenn … ist. Zu diesem Zweck ist der ESM berechtigt, Mittel aufzunehmen, indem er Finanzinstrumente begibt oder mit ESM-Mitgliedern, > Finanzinstituten< oder sonstigen Dritten finanzielle oder sonstige Vereinbarungen oder Übereinkünfte schließt.“ Gell Herr Schäuble.

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