Medienbericht
Schäuble sieht kaum Chance für EU-Ratingagentur

Der Bundesfinanzminister kann sich nach eigenem Bekunden nicht vorstellen, dass sich eine europäische Ratingagentur gegen die Konkurrenz aus den USA behauptet könnte. Geld dafür ausgeben will er „ganz sicher nicht".
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BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Hoffnungen auf eine neue Ratingagentur als Gegengewicht zur US-Konkurrenz gedämpft. „Eine vom Staat gegründete Ratingagentur, oder auch von der Europäischen Kommission, wird sich niemals in dem harten Wettbewerb mit den erfolgreichen Ratingagenturen durchsetzen“, sagte der CDU-Politiker der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstag). Auch ein Stiftungsmodell könne er sich nicht vorstellen.

Geld aus der deutschen Staatskasse werde es für eine solche Einrichtung „ganz sicher nicht“ geben, ergänzte er dem Blatt zufolge. „Jedenfalls von dieser Bundesregierung nicht.“ Den etablierten Bonitätswächtern warf Schäuble erneut schwere Versäumnisse vor: „Die Ratingagenturen haben zunächst einmal in der Entstehung der Finanz- und Bankenkrise, die ja heftig war, katastrophal versagt.“

Bisher dominieren die US-Platzhirsche Standard & Poor's, Moody's und Fitch den Markt der Ratingagenturen und verdienen mit ihren Benotungen Geld. Zuletzt hatte die Bertelsmann-Stiftung ein Konzept für ein Benotungsunternehmen vorgelegt, an dem sich auch Regierungen beteiligen können.

Mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise geht Schäuble davon aus, „dass wir das Schlimmste hinter uns haben“. Insgesamt seien die Grundentscheidungen richtig getroffen worden, „und deswegen haben wir auch eine gewisse Entspannung“. Bei einer einigermaßen normalen Entwicklung würden sich für Deutschland „die Kosten der Krisenbewältigung doch in einer vertretbaren Größenordnung halten“. Sie würden weit ausgeglichen durch das, was man an wirtschaftlichen Schäden habe vermeiden können.

<HEADER>Schäuble will kein Geld für europäische Ratingagentur geben</HEADER>

dapd LEIPZIG. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) steht dem Aufbau einer europäischen Ratingagentur skeptisch gegenüber. Eine solche Agentur müsse sich gegen harte Konkurrenz behaupten, besonders in den USA, sagte Schäuble der „Leipziger Volkszeitung“ (Samstagausgabe) laut Vorabbericht. „Eine vom Staat gegründete Ratingagentur, oder auch von der Europäischen Kommission, wird sich niemals in dem harten Wettbewerb mit den erfolgreichen Ratingagenturen durchsetzen“, sagte Schäuble. Auch ein Stiftungsmodell könne er sich nicht vorstellen.

Schäuble sagte, für eine europäische Ratingangentur werde es sicher kein Geld aus der deutschen Staatskasse geben. „Jedenfalls von dieser Bundesregierung ganz sicher nicht“, sagte er.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Medienbericht: Schäuble sieht kaum Chance für EU-Ratingagentur"

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  • @Freiheit
    Ganz genau ! Aber weil wohl Hollande gewinnt in Frankreich und Griechenland auch sozialistisch wählen wird (Venezelos), weiss Herr Schäuble, dass es mit sparen in Europa vorbei ist.

    Hoffentlich wird damit der EURO begraben, weil nicht mehr finanzierbar ! Merkel/Schäuble müssen unbedingt schon mal eine "Exit-Strategie" entwerfen.

  • wer hören will, der höre! wer sehen will, der sehe!
    was will h.schäuble?
    es werden viele falsche propheten auftreten.
    die politik in der hand dieser propheten?

  • Solange Deutschland von Lobbyisten getrieben wird, ist Fortschritt eher ein Zufallsprodukt als geplantes handeln.

    Es ist doch klar, was Schäuble und Konsorten wollen. Sie wollen eine Ratingagentur, die sie ebenso steuern können wie dies auch die USA vornimmt.

    Unter solchen Gesichtspunkten muss man fragen, was Ratingagenturen überhaupt sollen. Ist es nicht Aufgabe eines jeden Kreditgebers selbst den Kreditnehmer zu beurteilen und die Wagnisse eigenverantwortlich einzuschätzen.

    Dieser Automatismus, den die Ratingagenturen hervor gebracht haben, haben doch nur für "Schiffbruch" gesorgt. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass eben diese Ratingagenturen erst ihre Erfolge mit der Einführung von BASEL begründeten.

    Langsam müssen wir uns einmal fragen, welche Lobbyisten BASEL etabliert haben und weshalb. Wir sollten uns auch den Karriereweg eben dieser Leute ansehen und uns fragen, weshalb dies so und nicht anders passieren konnte. Korrupt ist nicht nur der Postmann oder Müllmanager, der zu Weihnachten für seinen ganzjährigen Service ein Trinkgeld von 30 € annimmt.

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