Medienbericht
USA bilden vorerst keine afghanischen Rekruten aus

Allein in diesem Jahr starben in Afghanistan 45 Nato-Soldaten durch Angriffe heimischer Soldaten. Die USA wollen den traurigen Trend stoppen und zunächst 27.000 Soldaten auf Verbindungen zu Rebellen durchleuchten.
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KabulWegen vermehrter Angriffe afghanischer Polizisten und Soldaten auf ihre ausländischen Kollegen haben die USA die Ausbildung der Lokalen Afghanischen Polizei (ALP) vorübergehend ausgesetzt. Das Training von rund tausend ALP-Rekruten werde bis zur Überprüfung der bestehenden Polizeikräfte unterbrochen, sagte der Sprecher der US-Truppen in Afghanistan, Thomas Collins, am Sonntag. Gemeinsame Einsätze würden aber fortgesetzt.

Die „Washington Post“ hatte am Samstag berichtet, es sollten rund 27.000 afghanische Soldaten erneut auf mögliche Verbindungen zu Aufständischen überprüft werden. Laut Collins sind von den Überprüfungen nur die rund 16.300 Mitglieder der ALP betroffen, die in entlegenen Gegenden gegen die Aufständischen eingesetzt werden. Die ALP wird für zahlreiche Verbrechen verantwortlich gemacht, und ihre Rekrutierungsmethoden gelten als intransparent.

Auch ein Sprecher der internationalen Afghanistantruppe ISAF stellte klar, dass nur die ALP von den Maßnahmen betroffen sei. Die Ausbildung von Rekruten der Afghanischen Nationalen Polizei (ANP) und der Afghanischen Nationalen Armee (ANA) würden fortgeführt, sagte der Sprecher. Seit Januar wurden bei Angriffen von Bewaffneten in afghanischen Uniformen mindestens 45 ausländische Soldaten getötet. Erst am Mittwoch erschoss ein Angreifer drei australische Soldaten.

Derweil wurden bei einem Doppel-Anschlag auf einen NATO-Stützpunkt in der zentralen Provinz Wardak mindestens zwölf Menschen getötet. Ein Attentäter habe sich am Samstag nahe des Tors des Stützpunkts in Sajedabad in die Luft gesprengt und so den Weg für einen Lastwagen mit Sprengstoff frei gemacht, teilte die Polizei mit. Demnach trafen die Anschläge vor allem einen Markt bei dem NATO-Stützpunkt, der durch die Attacken völlig zerstört worden sei.

Bei den Toten handele es sich um zehn Zivilisten und zwei Polizisten. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden lag die Zahl der Verletzten bei mehr als 40. Ein Sprecher der islamistischen Taliban bekannte sich in einer SMS an die Nachrichtenagentur AFP zu dem Anschlag. Nach UN-Angaben wurden in Afghanistan in den ersten sechs Monaten dieses Jahres etwa 1145 Zivilisten getötet. Knapp 2000 Zivilisten wurden demnach verletzt.

Am Sonntag töteten Mitglieder einer regierungstreuen Miliz mindestens acht Dorfbewohner in einem Vorort der nordafghanischen Stadt Kundus. Wie ein Sprecher der Provinzregierung sagte, hatten am Vorabend Taliban die Leiche von zwei Mitgliedern der Miliz in dem Dorf abgelegt. Der Milizführer, der die Dorfbewohner für den Mord verantwortlich machte, habe Rache üben wollen. Es sei eine Jagd nach dem Milizführer eröffnet worden. Ein Polizeisprecher sprach von mehr als acht Toten und neun Verletzten.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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