Medienberichte
Atomkraftbefürworter gewinnt Wahl in Tokio

In Japans Hauptstadt Tokio hat offenbar Yoichi Masuzoe bei den Gouverneurswahlen die Nase vorn. Bisher ist er nicht nur durch seine Pro-Atom-Einstellung, sondern auch mit frauenfeindlichen Äußerungen aufgefallen.
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Tokio/DüsseldorfEin Atomkraftbefürworter hat nach Medienberichten die Wahl zum Gouverneur der japanischen Hauptstadt Tokio gewonnen. Ersten Prognosen zufolge lag der frühere Gesundheitsminister Yoichi Masuzoe am Sonntag vor seinen Herausforderern, wie der Fernsehsender NHK und andere japanische Medien berichteten. Die Wahlbeteiligung war mit rund 34 Prozent sehr niedrig.

Der Urnengang galt als Stimmungstest für die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe und die künftige Atompolitik in Japan. Der bisherige Gouverneur Naoki Inose war im Dezember wegen eines Spendenskandals zurückgetreten.

Für Aufsehen hatte Masuzoe in den vergangenen Tagen mit einer frauenfeindlichen Äußerung gesorgt, die er laut Medienberichten im Jahr 1989 gegenüber einem Männermagazin gemacht hatte. Er sagte demnach, dass es nicht angemessen sei, Frauen in die höchsten Regierungsämter zu bringen, weil ihre Menstruationsphasen sie irrational machen würden. „Frauen sind nicht normal, wenn sie ihre Periode haben“, sagte er wörtlich. „Man sollte sie nicht ernsthafte Entscheidungen für das Land treffen lassen [während sie ihre Periode haben], etwa ob es in den Krieg ziehen soll, oder nicht.“ Mehrere Frauenrechtsorganisationen hatten diese Äußerung zum Anlass genommen, gegen Masuzoe zu protestieren.

Abes Regierung ist grundsätzlich für die weitere Nutzung der Atomenergie und den Bau neuer Reaktoren, sieht sich aber mit starken Vorbehalten in der Bevölkerung konfrontiert. Das Atomkraftwerk Fukushima war 2011 von einem Erdbeben und einem Tsunami schwer beschädigt worden, die Umgebung wurde weiträumig radioaktiv verstrahlt.

Insgesamt traten 16 Bewerber zur Wahl des Gouverneurs an, unter ihnen auch der frühere Regierungschef Morihiro Hosokawa. Hosokawa hatte für den Ausstieg aus der Atomenergie geworben.

Die geringe Wahlbeteiligung könnte mit den ungewöhnlichen Schneefällen in Japan zu tun haben. Allein in Tokio fielen nach Auskunft der nationalen Wetterbehörde bis zum Morgen 27 Zentimeter Schnee, so viel wie seit 45 Jahren nicht mehr.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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