Medienberichte
London-Attentäter sollen von Sozialhilfe gelebt haben

Zwei der gesuchten Terrorverdächtigen von London haben britischen Medienberichten zufolge jahrelang auf Staatskosten in einer Wohnung im Norden der Stadt gelebt. Die Polizei durchsuchte nun die Räume, um auf eine Spur der flüchtigen Männer zu stoßen. Dabei stellten die Beamten auch mutmaßliches Bombenmaterial sicher.

HB LONDON. Die beiden mutmaßlichen Terroristen Muktar Said Ibrahim (27) und Yasin Hassan Omar (24), die am Montag von der Londoner Polizei identifiziert worden waren, lebten nach Angaben des Innenministeriums mehr als 10 Jahre legal in Großbritannien. Nach Presseinformationen stammen sie aus dem nordostafrikanischen Land Somalia.

Ein Abgeordneter eines Londoner Stadtteilrates bestätigte, dass die Männer sechs Jahre lang von staatlicher Unterstützung gelebt haben. Der 24-jährige Omar soll in dieser Zeit rund 23 000 Pfund (mehr als 33 000 Euro) an staatlichem Wohngeld erhalten haben, um dort seine Miete zu bezahlen, schreibt die Boulevardzeitung „Sun". Die „Daily Mail“ berichtete zudem, zwei der Verdächtigen seien als Asylbewerber aus Ostafrika nach Großbritannien gekommen und hätten Sozialhilfe bezogen.

Eine Stellungnahme der Regierung zu den Berichten gab es nicht. Die Polizei bestätigte jedoch, in der betroffenen Wohnung sei Material gefunden worden, das möglicherweise zum Bau von Bomben verwendet werden könnte. „Es ist eine interessante Adresse für uns, und einige Dinge wurden zur weiteren Untersuchung mitgenommen“, sagte ein Polizeisprecher.

Der britische Premierminister Tony Blair rief die Bevölkerung weiter zur Hilfe bei der Ergreifung der Londoner Bombenleger vom Donnerstag auf. „Es wird Leute geben, die etwas wissen. Es ist Teil unserer Pflicht, um unser Land zu schützen, dass diese Leute vortreten und der Polizei die Informationen geben, die sie haben“, sagte Blair. Zudem bestritt er erneut, die Terroranschläge in London durch den Irakkrieg mit provoziert zu haben. Der Irakkrieg sei für die Terroristen nur ein Vorwand, sagte Blair. „Sie werden immer einen Grund finden.“

Es sei völlig unzulässig zu sagen, dass Amerikaner und Briten im Irak Zivilisten getötet hätten und die Anschläge von London nun eine Vergeltung dafür seien. Die USA und Großbritannien hätten Zivilisten im Irak immer nur unabsichtlich getötet: „Da gibt es einen Riesenunterschied. Wir bedauern jeden Todesfall. Aber die (Terroristen) bejubeln den Tod von Zivilisten.“ Er werde vor den Terroristen nicht einen Zentimeter zurückweichen, sagte Blair: „Der 11. September hat mich wachgerüttelt. Und wissen Sie, was das Problem ist? Ein großer Teil der Welt ist für kurze Zeit wach geworden, aber inzwischen wieder eingeschlafen.“

Die Kommission zur Untersuchung des von britischen Terror-Fahndern irrtümlich erschossenen Brasilianers Jean Charles de Menezes versprach unterdessen, die Entschädigungsforderungen der Angehörigen verständnisvoll und schnell zu behandeln. Der 27-Jährige war am Freitag in einer U-Bahn-Station von Polizisten erschossen worden, die ihn für einen Selbstmordattentäter hielten.

Das Ansehen des britischen Premierministers Tony Blair ist seit den Terroranschlägen in London stark gestiegen - obwohl zwei von drei Wählern glauben, dass seine Irakpolitik das Terror-Risiko für London verstärkt hat. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag der Zeitung „The Times“, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Nach einer Umfrage des „Guardian“ haben zwei Drittel der britischen Muslime seit den Anschlägen mit dem Gedanken gespielt, Großbritannien zu verlassen.

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