Medikamente werden knapp
US-Luftschlag tötet Zivilisten in Kobane

Ein fehlgeleiteter US-Luftschlag hat versehentlich mehrere Kurden getötet. Unterdessen werden Medikamente und Verbandszeug knapp. Der Vormarsch der radikalislamischen IS-Miliz in Kobane wurde offenbar vorerst gestoppt.
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KobaneBei einem von den USA angeführten Luftschlag gegen IS-Stellungen in der nordsyrischen Stadt Kobane sind nach Medienangaben versehentlich Kurden getötet worden. Mindestens sechs Kämpfer der Volksschutzeinheiten (YPG) seien ums Leben gekommen, meldete die irakisch-kurdische Nachrichtenseite Rudaw am Donnerstag. Idris Nassan, ein Sprecher für auswärtige Angelegenheiten in Kobane, bestätigte der dpa, mehrere YPG-Kämpfer seien bei dem fehlgeleiteten Luftschlag getötet worden. Auch eine Zivilistin sei umgekommen.

„Die alliierten Flugzeuge hatten auf IS-Kämpfer gezielt“, sagte Nassan. Die Dschihadisten hätten in der Nacht in einem Gebäude im Osten Kobanes Unterschlupf gesucht. Doch in dem Haus hätten sich bereits mehrere ältere kurdische Frauen versteckt.

Rund ein Drittel Kobanes sei unter Kontrolle der IS-Miliz, sagte Nassan. Der Rest werde erbittert von YPG-Einheiten verteidigt. Allerdings würden Medikamente und Verbandszeug knapp. „Alle wichtigen Vorräte wie Bandagen, Antibiotika und Betäubungsmittel gehen zur Neige“, sagte Nassan. Verletzte liegen demnach im Sterben, weil es keine Medikamente für sie gibt.

Die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten haben den Vormarsch der radikalislamischen IS-Miliz in der syrischen Kurdenstadt Kobane offenbar vorerst gestoppt. Kämpfern sei es gelungen, Gelände von den Dschihadisten zurückzuerobern, berichteten Informanten am Donnerstag aus der Stadt nahe der türkischen Grenze. In Kobane tobten aber weiter heftige Gefechte. Die Gefahr, dass der Ort in die Hände der Extremistenmiliz fallen könnte, sei nicht gebannt, warnte das US-Verteidigungsministerium. Durch die Luftangriffe könnten die Islamisten ihre Kämpfer aber nicht mehr beliebig verschieben.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, der IS versuche, die Kurdenmiliz YPG im Süden der Stadt zu vertreiben. Keine Seite habe aber größere Geländegewinne erzielt. Eine Sprecherin der Kurdenmiliz berichtete hingegen aus Kobane, ihre Kämpfer hätten am Mittwoch einige Stellungen zurückerobert. Die Gefechte dauerten an. Ein Journalist berichtete telefonisch aus Kobane, die Luftangriffe hätten die Kurdenmilizen in die Lage versetzt, zum Angriff überzugehen. Mehrere Posten, die der IS vor zwei Tagen noch gehalten habe, seien wieder in der Hand der Kurden.

Bei den Luftangriffen nahe Kobane wurden nach US-Angaben Hunderte Extremisten getötet. Binnen 48 Stunden seien rund 40 Angriffe geflogen worden, teilte ein Sprecher mit. Dies sei die höchste Zahl seit Beginn der Bombardements durch das von den USA geführte Bündnis gegen den IS am 22. September. Am Donnerstag wurden die Angriffe fortgesetzt. Unter anderem seien Gebäude, Befehlsstände und Stellungen von Scharfschützen ins Visier genommen worden, teilten die US-Streitkräfte mit.

Insgesamt sind nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Kampf um Kobane im vergangenen Monat mindestens 662 Menschen ums Leben gekommen. Aufseiten der YPG seien 258 Kämpfer und in den Reihen des IS 374 Dschihadisten getötet worden. Weiterhin seien 20 Zivilisten und zehn mit der YPG-Miliz verbündete Kämpfer umgekommen.

Die IS-Miliz hatte bereits Anfang September ihren Vormarsch auf die an der Grenze zur Türkei gelegene kurdische Enklave Kobane (arabisch: Ain al-Arab) gestartet. Rund 300 Dörfer eroberte die Miliz im Umland, Hunderttausende syrische Kurden waren daraufhin in die Türkei geflohen. Seit dem 16. September belagern die Dschihadisten Kobane. Kurdische Kämpfer verteidigen die Stadt mit Unterstützung von Luftschlägen der internationalen Allianz gegen IS.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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