Medizinische Versorgung
Immer mehr Ärzte – und doch zu wenig

Die Zahl der zugelassenen Ärzte in Deutschland steigt - allerdings nicht schnell genug. Durch den medizinische Fortschritt werden immer mehr medizinische Leistungen angeboten. Mediziner haben jetzt schon Schwierigkeiten alle Patienten zu behandeln. Die Bundesärztekammer warnt vor einer „Wartelistenmedizin“.

BERLIN. Der Bedarf an medizinischen Leistungen wächst schneller als die Zahl der berufstätigen Ärzte. Mit dieser These hat die Bundesärztekammer gestern vor einer drohenden Wartelistenmedizin gewarnt. Schon heute seien in vielen Abteilungen der Krankenhäuser 20 bis 50 Prozent der Stellen unbesetzt, sagte der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery. Während vor zehn Jahren noch tausende Mediziner arbeitslos gewesen seien, „platze“ das deutsche Ärzteblatt inzwischen vor Stellenanzeigen.

Viele dieser Stellen könnten nicht mehr oder nur noch schwer besetzt werden, sagte der Chef der Statistikabteilung der Bundesärztekammer Thomas Kopetsch. Nach seiner Ansicht ist dies ein Grund dafür, dass immer mehr Ausländer vor allem aus Osteuropa in deutschen Kliniken arbeiten. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr um 1 350 auf 21 784. „In vielen ostdeutschen Kliniken liegt die Ausländerquote inzwischen bei Dreiviertel“, sagte Kopetsch.

Insgesamt nahm die Zahl der berufstätigen Ärzte im vergangenen Jahr um 1,5 Prozent auf 319 697 zu. Das ist ein neuer Rekord. Er reicht aber nach der Analyse der Bundesärztekammer schon nicht aus, um den heutigen Bedarf zu befriedigen. Ein Grund dafür sei der medizinische Fortschritt. Dabei geht es zum einen um neue Heilmethoden wie die Organtransplantation oder die Reproduktionsmedizin. Sie erzeugen zusätzliche Nachfrage und führen zu neuen Berufsanforderungen an die Ärzte. „1924 kamen wir noch mit 14 Facharztbezeichnungen aus, heute gibt es 21 Fachrichtungen mit insgesamt 160 Zusatzbezeichnungen für die verschiedenen Spezialgebiete“.

Zum anderen führt die Tatsache, dass Krankheiten wie bakterielle Infektionen und Herzkrankheiten heute erfolgreich behandelt werden können, dazu, dass immer mehr Menschen lange genug leben um an früher weniger häufig vorkommenden aber sehr behandlungsintensiven Krankheiten wie Krebs und Alzheimer zu erkranken.

Zudem sorgt die Alterung der deutschen Bevölkerung für einen stetigen Anstieg des Behandlungbedarfs. Der Anteil der Über-60-Jährigen ist seit 1991 um rund ein Viertel auf 25,3 Prozent gestiegen. Ein Mensch jenseits der 60 verursacht aber nach den Daten der Krankenkassen über drei Mal höhere Behandlungskosten als ein jüngerer Versicherter.

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