Medwedjew droht Nachbarn
Russland verzögert Abzug

Trotz einer klaren Zusage von Präsident Dmitrij Medwedjew ziehen sich die russischen Truppen auch eine Woche nach Ende des Kriegs um Südossetien nicht aus Georgien zurück. Zwar verkündete der russische Generalstab den Beginn des Rückzugs aus dem georgischen Kernland, doch gab es dafür zunächst keine Hinweise.

TIFLIS/BERLIN. Statt dessen hielten die Russen wichtige Verkehrsknotenpunkte und ein Wasserwerk besetzt, das halb Georgien mit Strom versorgt. Der Öltransit aus Aserbaidschan wurde komplett unterbrochen, weil nach der Sprengung einer Brücke nun auch per Zug kein Öl mehr durch Georgien transportiert werden kann. Die Transitpipelines liegen bereits seit einer Woche still.

Georgiens Ex-Parlamentschefin Nino Burdschanadse warf Moskau „einen Vernichtungsfeldzug“ gegen ihr Land vor. „Es werden nicht nur strategische Objekte zerbombt, sondern auch Dörfer und Fabriken. Die Russen rücken immer weiter vor, um Panik zu säen“, sagt die Politikerin, die als potenzielle Nachfolgerin von Präsident Michail Saakaschwili gilt.

Kreml-Chef Medwedjew schlug erneut aggressive Töne an, die sich an alle Länder mit großen russischen Minderheiten richten: „Wir werden es niemals hinnehmen, dass jemand glaubt, unsere Bürger straflos töten zu können. Wer das erneut versucht, wird eine vernichtende Antwort bekommen“, drohte er vor Weltkriegsveteranen.

Die deutsche Regierung mahnte Russland eindringlich, seine Truppen abzuziehen. „Wir haben die starke Erwartung, das der russische Truppenabzug konsequent umgesetzt wird“, sagte Regierungssprecher Thomas Steg. Im Verhältnis zu Russland bedeute der Kaukasus-Konflikt eine „Zäsur“. Es werde sich nun zeigen, wie sich die weitere Zusammenarbeit gestalte, sagte Steg. Die Nato-Außenminister beraten am Dienstag in einer Sondersitzung über die Lage im Kaukasus.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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