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Medwedjew macht das Doppel mit Putin perfekt

Der russische Präsidentenkandidat Dmitij Medwedjew hat für den Fall seiner Wahl im März 2008 dem scheidenden Kremlchef Wladimir Putin den Posten des Regierungschefs angeboten. Dieser Schritt kommt jedoch alles andere als überraschend. Und zumindest Bundeskanzlerin Merkel könnte mit dieser Kombination aber offensichtlich gut leben.

HB MOSKUA. Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew will den scheidenden Staatschef Wladimir Putin im Fall seiner Wahl zum Ministerpräsidenten ernennen. Er verbinde seine Kandidatur mit der Bitte an Putin, ihm nach der Wahl als Regierungschef zur Verfügung zu stehen, sagte Medwedew am Dienstag in Moskau. Es gehe nicht nur den neuen Präsidenten, sondern auch darum, Putins Mannschaft zusammenzuhalten. Der amtierende Präsident hatte den 42-Jährigen am Montag als Kandidaten für seine Nachfolge benannt. Formell soll Medwedew Anfang kommender Woche zum Bewerber der Regierungspartei Einiges Russland gekürt werden.

Putins Unterstützung macht die Wahl Medwedews am 2. März 2008 so gut sicher. Der populäre Präsident kann nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten nicht erneut antreten. Er hat aber wiederholt deutlich gemacht, dass er nach Verlassen des Kreml weiterhin eine wichtige innenpolitische Rolle spielen will. Experten gehen davon aus, dass Putin die treibende Kraft hinter einem Präsidenten Medwedew sein wird, der zur Zeit Vizepremier und Aufsichtsratschef des staatlichen Gasmonpolisten Gazprom ist. Allerdings habe Putin wohl noch nicht entschieden, wie er künftig Einfluss ausüben wolle.

Medwedew kündigte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Nominierung eine Fortsetzung der Politik Putins an.

Russland gehe es besser als zuvor. Das Land sei wieder erstarkt und werde respektiert. Eine vorrangige Aufgabe sehe er als Präsident darin, die Menschen am Wirtschaftswachstum teilhaben zu lassen. Trotz einer starken Erhöhung der Einkommen in den acht Putin-Jahren leben viele Russen noch immer in Armut.

Zugleich wachsen die Ungleichgewichte in der Verteilung des Wohlstandes. Bundeskanzlerin Angela Merkel kann sich eine gute Zusammenarbeit mit Medwedew vorstellen. Merkel habe den Präsidentschaftskandidaten als erfahren in Regierung und Wirtschaft bezeichnet, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin. In einem Telefonat mit Putin habe die Kanzlerin am Montagabend darauf verwiesen, dass sie Medwedew am Rande der Hannover-Messe persönlich kennengelernt habe.

Staatsminister Gernot Erler vom Auswärtigen Amt begrüßte die Nominierung Medwedews als Stärkung der zivilen Kräfte in Russland. „Medwedew kommt nicht aus den Geheimdiensten und nicht aus dem Militär, das alleine ist schon interessant, weil es eine klare Veränderung zum jetzigen Zustand ist“, sagte Erler der „Berliner Zeitung“.

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