Meg Whitman und Carly Fiorina
Von der Konzernspitze in die große Politik

Ex-Ebay-Chefin Meg Whitman und Ex-HP-Chefin Carly Fiorina gehörten zu den mächtigsten Vorstandschefs der USA. Nun versuchen beide ihr Comeback in der Politik – die eine wirbt mit ihrer Unternehmervergangenheit, die andere wird genau deswegen angefeindet.
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WASHINGTON. Carly Fiorina steht am Mittwochmittag vergangener Woche im engen Roten vor einem Dutzend breitschultriger Sheriffs im Polizeigebäude von Fresno. Sie wirkt vor dieser Kulisse noch zierlicher und schlanker als sonst, während die Männer hinter ihr auf einen tiefen v-förmigen Ausschnitt blicken, den das Designerkostüm auf den Rücken der 56-Jährigen freigibt. Ein paar von ihnen tragen Holster am Gürtel, aus denen ein Pistolenknauf guckt, harte Kerle, die auf harte Worte warten.

Sie wären ein dankbares Publikum für die Wahlkämpferin Fiorina, sie müsste jetzt nur laut werden, Entschiedenheit und Härte zeigen, wie sie es in ihrem früheren Leben so oft getan hat. Doch dann spricht sie in gleichbleibend lauter Stimme, und die schärfste Breitseite gegen ihre Gegenkandidatin um den Sitz Kaliforniens im US-Senat ist: „Sie war lange genug hier.“

In San Rafael, 200 Meilen entfernt, versucht es Meg Whitman mit Lächeln. Ob sie von etwas Schönem spricht wie der Zukunft Kaliforniens oder von etwas Unschönem wie den zwölf Prozent Arbeitslosigkeit, Meg Whitman hat sich, das ist offensichtlich, das Lächeln für diesen Abend fest vorgenommen. Auch wenn es gar nicht ihre Art ist.

Jetzt aber will sie Landesmutter werden. Gouverneurin des Sonnenstaats Kalifornien. Eine Sonnenkönigin – und eine Sonnenkönigin hat nicht miesepetrig zu sein. Nicht zu lächeln ist ein Problem, weil Meg Whitman dann wirken könnte wie eine herzlose Vorstandschefin – und das soll sie nicht. Schließlich war sie wie Carly Fiorina ja tatsächlich eine der mächtigsten Frauen der amerikanischen Wirtschaft, und das Image der Wirtschaftsführer war schon einmal besser.

Die eine, Fiorina, führte den IT-Konzern Hewlett-Packard, die andere, Whitman, das Online-Auktionshaus Ebay. Beide brachten es zu Manager-Ikonen – bewundert und gehasst, hochgejubelt und gefürchtet. Fiorina stürzte nach ihrem rasanten Aufstieg ab, Whitman wählte nach zehn erfolgreichen Jahren freiwillig den Abschied. Beide versuchen nun ihr Comeback in der Politik.

Die eine, Fiorina, will Abgeordnete werden, die andere, Whitman, Gouverneurin. Beide kandidieren für die Republikaner. Und beide haben das gleiche Problem: Wer ein guter Manager war, ist noch lange kein guter Politiker. Deswegen müssen sie jetzt kämpfen – für die Stimmen der Kalifornier, aber auch gegen die Schatten ihrer eigenen Vergangenheit.

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  • Guten Tag,.... Wenn wir bedenken dass ein zweitklassiger Schauspieler ( in Amerika )es zum Praesidenten brachte,..... und ein Hilsfstaxifahrer in Deutschland Aussenminister war; so scheint mir alles moeglich. immerhin brachten beide mehr mit als manch ein blindgaenger der im Moment regiert. ich rede nicht von Herrn Obama. besten Dank

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