Mega-Projekt
Nicaragua genehmigt Milliarden für Kanal-Bau

Nach Panama soll nun auch Nicaragua eine Verbindung zwischen Pazifik und Atlantik erhalten. Vergeben wurde der Auftrag an ein Unternehmen in Hongkong - eine Entscheidung, die im Land auf Kritik stößt.
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ManaguaKonkurrenz für Panama: Mit chinesischer Hilfe will Nicaragua einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Die Nationalversammlung des mittelamerikanischen Landes billigte am Donnerstag mit großer Mehrheit die Erteilung einer Konzession zum Bau und Betrieb des Kanals an das Unternehmen HKND Group in Hongkong.

Neben der Wasserstraße sind eine Eisenbahnlinie, eine Ölpipeline, zwei Häfen und ein Flughafen geplant. Für den Bau werden 40 Milliarden US-Dollar (30,3 Mrd. Euro) veranschlagt. HKND Group soll 49 Prozent der Aktien halten, der Staat Nicaragua 51 Prozent.

Die Konzession für den Bau und Betrieb soll für 50 Jahre an das chinesische Unternehmen gehen, das bisher offenbar lediglich Erfahrung in der Telekombranche besitzt. Dafür sprachen sich 61 Abgeordnete des Parlaments aus, das von der linksgerichteten Sandinisten-Partei von Präsident Daniel Ortega dominiert wird. 28 stimmten dagegen.

Nicaragua hat schon seit langem versucht, Investoren zu finden, die einen Kanal bauen, der Atlantik und Pazifik nach dem Vorbild des Panama-Kanals verbindet.

„Zu Nicaraguas Reichtümern gehört die geografische Lage, deshalb gab es diese Idee schon immer“, sagte der sandinistische Abgeordnete Jacinto Suárez. „Die Zahlen zeigen, dass der Schiffsverkehr konstant wächst. Das macht das Projekt durchführbar.“

Mit dem Projekt will Nicaragua dem Panamakanal Konkurrenz machen. Die Regierung von Ortega rechnet bereits während der Bauphase mit einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung. Später soll der Kanal Millionen an Gebühren in die Staatskasse spülen.

Der Abgeordnete der Regierungspartei FSLN, Jacinto Suárez, sagte während der über dreistündigen Debatte im Parlament, von dem Mega-Projekt würden alle Branchen des Landes profitieren. Zudem schaffe der Bau zahlreiche Arbeitsplätze.

Oppositionsführer Eduardo Montealegre kritisierte das Gesetz hingegen als verfassungswidrig, betrügerisch und schädlich für die Interessen Nicaraguas. „Ohne vorherige Prüfung und nach eintägiger Beratung will die Regierung einer ausländischen und unbekannten Firma die Konzession erteilen“, sagte Montealegre.

In einem „Marsch für die Souveränität des Volkes“ waren vor der Abstimmung Dutzende Demonstranten vor die Nationalversammlung gezogen, wie die Zeitung „El Nuevo Diario“ berichtete. Auf ihren Transparenten war zu lesen „Ortega verkauft das Vaterland“ und „Freies Nicaragua“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mega-Projekt: Nicaragua genehmigt Milliarden für Kanal-Bau"

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  • Der Panamakanal ist eine Erfolgsstory.
    Der Nicaraguakanal wird eine Erfolgsstory
    Die Chinesen diskutieren nicht, sie handeln!
    Die Deutschen diskutieren lange und es geschieht nichts.
    Der am meist befahrene Kanal der Welt, die Nord-Ostsee-Kanal verkommt immer mehr, wird aber seit Jahren nicht saniert.
    Vielleicht sollten sich die Chinesen auch hier einmischen, dann wäre er schon morgen saniert.

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