Mehr als 40 Verletzte bei Ausschreitungen
Karadzic nach Den Haag ausgeliefert

Der mutmaßliche Kriegsverbrecher Radovan Karadzic ist im Gefängnis des Uno-Kriegsverbrechertribunals bei Den Haag angekommen. Zuvor war es am Rande der Sympathie-Kundgebung für den wegen Kriegsverbrechen angeklagten ehemaligen Führer der bosnischen Serben am Dienstagabend in Belgrad zu schweren Ausschreitungen gekommen.

HB DEN HAAG. Die Maschine mit dem ehemaligen Serben-Führer an Bord landete am frühen Mittwochmorgen auf dem Flughafen von Rotterdam. Karadzic wurde zunächst in eine Haftanstalt gebracht, bevor in Kürze der Prozess gegen ihn vor dem Uno-Tribunal beginnt.

Der frühere bosnische Serbenführer war vergangene Woche nach elf Jahren im Untergrund in Serbien verhaftet worden. Karadzic gilt als Hauptverantwortlicher für die monatelange Belagerung Sarajevos und für das Massaker in Srebrenica, bei dem innerhalb einer Woche 8 000 bosnische Muslime getötet wurden. Er ist angeklagt, im Bosnienkrieg 1992 bis 1995 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben.

Das Uno-Tribunal beschuldigt Karadzic des Völkermordes, der Verschwörung zum Völkermord sowie zahlreicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der 63-jährige hatte zuletzt als Arzt "Dr. Dragan Dabic" für alternative Medizin gearbeitet und unbehelligt in Belgrad gelebt. Mit einem Vollbart und langen Haaren hatte er sein Äußeres völlig geändert.

In Den Haag will Karadzic sich selbst verteidigen. Auch der 2006 in Uno-Haft gestorbene serbische Expräsident Slobodan Milosevic hatte auf einen Anwalt verzichtet und sich selbst verteidigt.

Am Dienstagabend waren bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten bei Protesten gegen die Auslieferung von Karadzic mehrere Menschen verletzt worden. Serbische Medien berichteten, 45 Personen seien mit leichten Verletzungen in Krankenhäusern behandelt worden, darunter 25 Polizisten. Rund 10 000 serbische Nationalisten und Karadzic-Anhänger hatten gegen dessen Auslieferung demonstriert. Für viele bosnische Serben gilt Karadzic als heldenhafter Verteidiger Serbiens.

Die Randalierer bewarfen die Polizisten mit Steinen, Metallröhren und großen Feuerwerkskörpern. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Demonstranten zerschlugen zahlreiche Schaufenster und errichteten Barrikaden.

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