Mehr als 600 Tote bei Unruhen
Ägypten droht ein „Freitag der Wut“

Am Tag nach dem Blutvergießen zählt Ägypten seine Toten. Zu Dutzenden liegen die Leichen in den Moscheen und Krankenhäusern. Schon an diesem Freitag könnte es zu einem erneuten Gewaltausbruch kommen.
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KairoIn Ägypten wächst die Sorge vor neuer Gewalt nach dem Freitagsgebet. Die Anhänger der Muslimbrüder riefen zu erneuten Massenprotesten und einem „Tag der Wut“ nach der gewaltsamen Räumung zweier Protestcamps am Mittwoch mit mehr als 600 Toten und tausenden Verletzten auf. Die Nationale Heilsfront, eine lose Allianz liberaler und linker Kräfte, forderte indes, die Ägypter müssten gegen die offensichtlichen Terror-Akte der Muslimbrüder auf die Straße gehen. Das Innenministerium hat einem Medienbericht zufolge erklärt, die Sicherheitskräfte würden scharfe Munition einsetzen, um Angriffe auf die Beamten oder öffentliche Gebäude abzuwehren.

Es seien friedliche Kundgebungen geplant, aber niemand könne garantieren, dass es nicht auch zu Gewalt und Brandanschlägen komme, sagte der Generalsekretär der Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“. Gerade jungen Menschen seien sehr erzürnt. Die Demonstrationen sollen an allen Moscheen Kairos beginnen und Richtung Ramses-Platz führen, erklärt der Sprecher der Bruderschaft, Gehad al-Haddad, auf Twitter.

Am Donnerstag hatte sich die Lage in Ägypten etwas beruhigt. Zwar gab es erneut Demonstrationen von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. In Kairo setzten sie am Donnerstag ein Regierungsgebäude in Brand. Allerdings kam es zu keiner Wiederholung des Gewaltausbruchs vom Vortag, die Lage auf den Straßen war weitgehend ruhig. Die ägyptische Regierung korrigierte unterdessen die Zahl der Menschen, die die Kämpfe von Mittwoch nicht überlebt haben, aut übereinstimmender Medienberichte auf 638 nach oben. Verletzt worden seien 4201 Menschen. Neue Opferzahlen waren zuvor praktisch stündlich veröffentlicht worden.

Der UN-Sicherheitsrat rief unterdessen nach einer Dringlichkeitssitzung in New York zum Ende der Gewalt auf. Alle Beteiligten würden zu maximaler Zurückhaltung aufgefordert, sagte die derzeitige Vorsitzende des Gremiums, die argentinische UN-Botschafterin Maria Cristina Perceval, nach einer Sitzung der 15 Mitglieder des Rates. Weiter hätten die Mitglieder des Sicherheitsrats zur nationalen Versöhnung aufgerufen. Sie hätten ihr Bedauern über den Verlust an Menschenleben und ihr Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck gebracht, erklärte Perceval.

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  • "...in der BRD" -Ich muß lachen. Was ist diese BRD? Was heißt "in"? Meinst Du vielleicht die versklavten Deutschen Länder? Die BRD ist eine NGO, also kein eigenes Land, kein Volk usw. Informiere Dich, bevor Du Dich lächerlich machst.

  • Ausgerechnet Ohrbama ruft zur Gewaltlosigkeit auf. Er der wöchentlich per Kill - Liste Menschen zum Abknallen freigibt, samt all jenen die sich im Umkreis von 100 Metern
    vom Zielobjekt befinden. Die werden dann mit nem Schulterzucken als kollateral Schäden bezeichnet. Es wird Zeit, dass der Name Obama auf diese Liste gesetzt wird.

  • US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewalt? Schon wieder? Nice try, Mr. President. Doch wie vereinbaren Sie Ihr Urteil mit dem Waffenrecht im eigenen Land? Wenn es etwas zu verurteilen gibt, dann wäre das Ihr Mangel an Glaubwürdigkeit.

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