Mehr als 600 Tote bei Unruhen Ägypten droht ein „Freitag der Wut“

Am Tag nach dem Blutvergießen zählt Ägypten seine Toten. Zu Dutzenden liegen die Leichen in den Moscheen und Krankenhäusern. Schon an diesem Freitag könnte es zu einem erneuten Gewaltausbruch kommen.
Update: 16.08.2013 - 06:54 Uhr 12 Kommentare

Ägypten im Sog der Gewalt

KairoIn Ägypten wächst die Sorge vor neuer Gewalt nach dem Freitagsgebet. Die Anhänger der Muslimbrüder riefen zu erneuten Massenprotesten und einem „Tag der Wut“ nach der gewaltsamen Räumung zweier Protestcamps am Mittwoch mit mehr als 600 Toten und tausenden Verletzten auf. Die Nationale Heilsfront, eine lose Allianz liberaler und linker Kräfte, forderte indes, die Ägypter müssten gegen die offensichtlichen Terror-Akte der Muslimbrüder auf die Straße gehen. Das Innenministerium hat einem Medienbericht zufolge erklärt, die Sicherheitskräfte würden scharfe Munition einsetzen, um Angriffe auf die Beamten oder öffentliche Gebäude abzuwehren.

Es seien friedliche Kundgebungen geplant, aber niemand könne garantieren, dass es nicht auch zu Gewalt und Brandanschlägen komme, sagte der Generalsekretär der Islamischen Partei, Mohammed Abu Samra, dem Nachrichtenportal der Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“. Gerade jungen Menschen seien sehr erzürnt. Die Demonstrationen sollen an allen Moscheen Kairos beginnen und Richtung Ramses-Platz führen, erklärt der Sprecher der Bruderschaft, Gehad al-Haddad, auf Twitter.

Am Donnerstag hatte sich die Lage in Ägypten etwas beruhigt. Zwar gab es erneut Demonstrationen von Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. In Kairo setzten sie am Donnerstag ein Regierungsgebäude in Brand. Allerdings kam es zu keiner Wiederholung des Gewaltausbruchs vom Vortag, die Lage auf den Straßen war weitgehend ruhig. Die ägyptische Regierung korrigierte unterdessen die Zahl der Menschen, die die Kämpfe von Mittwoch nicht überlebt haben, aut übereinstimmender Medienberichte auf 638 nach oben. Verletzt worden seien 4201 Menschen. Neue Opferzahlen waren zuvor praktisch stündlich veröffentlicht worden.

Der UN-Sicherheitsrat rief unterdessen nach einer Dringlichkeitssitzung in New York zum Ende der Gewalt auf. Alle Beteiligten würden zu maximaler Zurückhaltung aufgefordert, sagte die derzeitige Vorsitzende des Gremiums, die argentinische UN-Botschafterin Maria Cristina Perceval, nach einer Sitzung der 15 Mitglieder des Rates. Weiter hätten die Mitglieder des Sicherheitsrats zur nationalen Versöhnung aufgerufen. Sie hätten ihr Bedauern über den Verlust an Menschenleben und ihr Mitgefühl für die Opfer zum Ausdruck gebracht, erklärte Perceval.

„Wir verurteilen die Gewalt gegen Zivilisten“
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12 Kommentare zu "Mehr als 600 Tote bei Unruhen: Ägypten droht ein „Freitag der Wut“ "

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  • "...in der BRD" -Ich muß lachen. Was ist diese BRD? Was heißt "in"? Meinst Du vielleicht die versklavten Deutschen Länder? Die BRD ist eine NGO, also kein eigenes Land, kein Volk usw. Informiere Dich, bevor Du Dich lächerlich machst.

  • Ausgerechnet Ohrbama ruft zur Gewaltlosigkeit auf. Er der wöchentlich per Kill - Liste Menschen zum Abknallen freigibt, samt all jenen die sich im Umkreis von 100 Metern
    vom Zielobjekt befinden. Die werden dann mit nem Schulterzucken als kollateral Schäden bezeichnet. Es wird Zeit, dass der Name Obama auf diese Liste gesetzt wird.

  • US-Präsident Barack Obama verurteilte die Gewalt? Schon wieder? Nice try, Mr. President. Doch wie vereinbaren Sie Ihr Urteil mit dem Waffenrecht im eigenen Land? Wenn es etwas zu verurteilen gibt, dann wäre das Ihr Mangel an Glaubwürdigkeit.

  • Die Islamisten sollten besser einen Tag des Gehirns ausrufen, dann wären die Straßen wahrscheinlich leer und Frieden im Land.

  • Herr Pofalla und Herr Friedrich heute um 12 Uhr bei einer Pressekonferenz:

    Zitat:
    Herr Friedrich: "das Militär in Ägypten führte keine flächendeckenden Maßnahmen gegen das eigene Volk durch"

    Herr Pofalla "ich halte damit den Krieg in Ägypten für beendet".

    Herr Pofalla nochmal: "ich trete ein für ein no-war Abkommen in der Welt"

  • @roktober

    Die US stecken wahrscheinlich nicht hinter dem Militärputsch - im Gegenteil, sie stehen hinter den Moslembrüdern (und dem "Putsch" gegen Mubarak). siehe mein Posting. Die USA machen gerade eher so etwas wie gute Miene zum bösen Spiel (bei dem ihnen ihre "Freunde" quergeschossen haben - diese steckten übrigens wohl auch hinter den Anti-Erdogan-Demos in der Türkei).

  • Warum es in Ägypten und beim "arabischen Frühling" wirklich geht ist die Kontrolle über die Energieversorgungs Europas (nicht zu vergessen auch die immensen Gasfeldern des östlichen Mittelmeers, die Israel schon "anzapft").

    Engdahl gibt hier einen Überblick wie die Machtstrukturen aussehen (anhand dem Verhältnis der USA zu Putin), weitere Analysen speziell zu Ägypten kann man aus älteren Artikeln von ihm entnehmen.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/was-sich-wirklich-hinter-obamas-staatsmaennischer-haltung-gegenueber-russland-verbirgt.html

    Die USA folgen im Gesamtkomplex Nordafrika und Arabien einer hirnrissigen Extremistenstrategie. Sie stecken hinter den "Muslim"-Brüder aller Länder dort (einschließlich Erdogan in der Türkei, ein Ex?-Muslimbruder) - zunehmend aber OHNE ihre traditionellen Verbündeten in Israel, Saudi-Arabien und dem "City-of-London"-Komplex, die diese "Strategie" offenbar nicht mittragen und ihnen ganz offensichtlich in Ägypten mit dem Militärputsch quergeschossen haben.

    Um "westliche Demokratie" oder Islamisimus geht es jedenfalls den ausländischen Strippenziehern nicht, das ist das Märchen fürs Volk auf der Straße.

  • Nicht ein Freitag der Wut sondern ein Freitag des Bluts steht Ägypten bevor: punktlich nach den Freitagsgebeten vermutlich...

  • Es wird blutig weitergehen.
    Die legal gewählte Regierung mit Präsident Mursi wurde mit Hilfe, d.h. unter Duldung der USA abgesetzt.
    USA reden zwar von Demokratie, aber bitteschön, nach ihren Spielregeln, und wenn ein Volk "falsch wählt", denn wird eingegriffen, direkt oder indirekt.
    Letztendlich geht's um den Suezkanal, den die USA brauchen, und dazu eine US hörige, genehme Regierung in Ägypten, und wenn's eben nach dem Demokratieexperiment dann eine Militärdiktatur ist.
    Es geht nicht um Menschen, nicht um Demokratie, sondern, wie leider fast immer ums Geld und Machtansprüche von Obama und Konsorten.
    Die Muslimbrüder muß man ja nicht mögen, aber die freie Wahl der Ägypter sollte man akzeptieren!
    Was ist denn los, sollte es in Jahren erneut mal freie Wahlen dort geben, und die Muslimbrüder erringen wiederum die Mehrheit? Neuer Militärputsch?
    Ach ja: Vergaß, daß bei neuen, "freien" Wahlen die Muslimbrüder dann gar nicht antreten dürfen, damit die USA nicht wieder ein Debakel erleben.
    Mal wieder typisch US Demokratieverständnis: Von Demokratie und Menschenrechten reden, aber Diktatoren (Saudi Arabien, Golfstaaten etc.) stützen!

  • Die radikalen Vollpfosten und religiös verblendeten Drahtzieher unter den ansonsten auch gemäßigten Muslimbrüdern werden jede Gelegenheit nutzen, um das Morden weitergehen zu lassen.

    Das impliziert auch deren generellen Unwillen und geistig intellektuelle Unfähigkeit, sich an einem wirklich demokratischen Prozeß konstruktiv zu beteiligen.

    Sogesehen ist der Militäreinsatz früher oder später geboten gewesen. Keiner in der BRD braucht damit ein PC- oder Gutmenschproblem zu haben.

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