Mehr als 70 Tote
Gewaltorgie überschattet Irak-Versöhnungstreffen

Eine neue Welle der Gewalt mit mehr als 70 Toten hat am Wochenende ein Versöhnungstreffen führender irakischer Politiker in Kairo überschattet. US-Präsident George W. Bush schloss angesichts der jüngsten Anschläge einen von oppositionellen Demokraten in Washington geforderten sofortigen US-Truppenabzug aus dem Irak jedoch kategorisch aus.

dpa BAGDAD. „Wir werden die Terroristen im Irak bekämpfen, und wir werden weiterkämpfen, bis wir den Sieg errungen haben“, sagte Bush am Samstag vor US-Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Osan in Südkorea. Der irakische Präsident Dschalal Talabani erklärte bei dem Vorbereitungstreffen für die in den kommenden zwei Monaten geplante Irak-Versöhnungskonferenz, ein Truppenabzug würde zu einer „Katastrophe“ im Irak führen. Er betonte jedoch am Sonntag in Kairo, er sei durchaus bereit, „Vertreter des irakischen Widerstands zu empfangen, wenn diese das wünschen sollten“. Vertreter des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, der mit den Widerstandsgruppen sympathisiert, forderten bei dem Treffen einen Zeitplan für den Abzug der „Besatzungstruppen“.

Bei dem blutigsten Anschlag dieses Wochenendes riss ein Selbstmordattentäter am Samstag nordöstlich von Bagdad 35 Gäste einer schiitischen Trauerfeier mit in den Tod. Polizeiangaben zufolge wurden bis zu 50 Menschen verletzt, als der Täter in Abu Saida rund 80 Kilometer nordöstlich von Bagdad seinen mit Sprengstoff beladenden Wagen in ein Zelt lenkte und sich darin in die Luft sprengte.

Zuvor waren auf einem belebten Markt in Bagdad bei einem Autobombenattentat der Täter und 13 weitere Menschen ums Leben gekommen. In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela ermordeten Unbekannte innerhalb von zwei Tagen fünf Mitglieder der offiziell aufgelösten Baath-Partei von Ex-Präsident Saddam Hussein. Augenzeugen erklärten, die Mordkampagne gegen die Saddam-Getreuen stehe in Zusammenhang mit dem Treffen in Kairo. In Kerbela hätten sich viele Iraker darüber empört, dass Baathisten an der Versöhnungskonferenz unter Schirmherrschaft der Arabischen Liga teilnehmen sollen.

In Kairo wurde unterdessen darüber verhandelt, wo und wann die Konferenz stattfinden soll, und ob auch Vertreter des Widerstandes gegen die US-Truppen und Baathisten teilnehmen dürfen. Liga- Generalsekretär Amre Mussa bemühte sich, die Wogen zu glätten, als sich die verfeindeten Parteien am Samstagabend gegenseitig Vorwürfe machten und einige Teilnehmer aus Protest den Sitzungssaal verließen.

In der südirakischen Hafenstadt Basra starb am Sonntag ein britischer Soldat, vier seiner Kameraden wurden schwer verletzt, als ihr Auto von einer am Straßenrand versteckten Bombe zerstört wurde. Mit dem Anschlag stieg nach einer Liste des Senders BBC die Zahl der im Irak umgekommenen britischen Militärangehörigen auf 98.

Die US-Armee berichtete, sechs ihrer Soldaten seien am Samstag bei Sprengstoffanschlägen in Bedschi und Haditha ums Leben gekommen. Vier Angehörige einer Familie, darunter drei Kinder, starben in Maschhura südlich von Bagdad, als mehrere Mörsergranaten ihr Haus trafen. Ein Polizeioffizier spekulierte, die Granaten hätten einem nahe gelegenen US-Militärstützpunkt gegolten.

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