„Mehr als ein Holocaust“
32 Menschen sterben bei Angriffen in Gaza

Die Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern im Gazastreifen sind am Samstag eskaliert. Bei den Gefechten wurden allein seit Freitagabend über 30 Palästinenser getötet. Mindestens 100 Menschen wurden verletzt.

HB GAZA. Bei neuen israelischen Boden- und Luftangriffen im Norden des Gazastreifens sind am Samstag 32 Palästinenser getötet worden. Weitere 100 wurden verletzt. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Behörden mindestens drei Kinder. Die Hamas und die radikale Organisation Islamischer Dschihad beklagten den Tod mehrerer Mitglieder. Damit stieg die Zahl der seit Mittwoch getöteten Palästinenser auf 66. Auch fünf Soldaten wurden am Samstag verletzt.

Wie Augenzeugen berichteten, waren israelische Panzer noch vor Sonnenaufgang bis in die Stadt Dschabalia vorgedrungen. Dort kam es zu Kämpfen mit militanten Palästinensern. Auch wurden wiederholt Luftangriffe geflogen. Damit reagierte das Militär am vierten Tag in Folge auf den fortwährenden Beschuss israelischer Grenzorte mit selbst gebauten Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen. Bei Raketenangriffen wurden am Samstag zwei israelische Kinder und eine Frau verletzt. Am Mittwoch starb ein 47-jähriger Israeli, nachdem eine palästinensische Rakete in seiner Nähe einschlug.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Militärangriffe scharf. „Was wirklich in Gaza geschieht, ist mehr als ein Holocaust“, sagte er in Ramallah bei einem Treffen der Organisation zur Befreiung Palästinas (PLO). Nach Angaben seines Sprechers will Abbas die Arabische Liga sowie den UN-Sicherheitsrat einschalten, um Israel zu einer Einstellung der Gewalt zu bewegen.

Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Matan Vilnai hatte am Freitag gesagt, dass die Hamas mit den täglichen Raketenangriffen den Palästinensern eine große Katastrophe bringen werde. Er benutzte dabei das hebräische Wort Schoa, das auch als „Holocaust“ übersetzt werden kann. Er löste damit große Empörung der palästinensischen Führung aus. Vilnai sagte am Samstag erneut im Armeeradio, dass eine Großoffensive im Gazastreifen unvermeidbar sei, falls das Raketenfeuer auf Israel nicht aufhöre.

EU-Chefdiplomat Javier Solana besucht vom Sonntag an erneut Israel und die Palästinensergebiete, um die Lage in Gesprächen mit beiden Seiten zu erörtern. Am Montag wird auch US-Außenministerin Condoleezza Rice in der Region erwartet.

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