Mehr Erkrankte - Wirtschaft unter Druck
Mexiko leidet unter der Schweinegrippe

In Mexiko hat die Zahl der an der Schweinegrippe Erkrankten weiter zugenommen. Die Wirtschaft des Landes kommt immer mehr unter Druck. Doch ohne die Gegenmaßnahmen, die die Regierung eingeleitet hat, könne der Schaden noch größer werden, sagen Verantwortliche.

HB MEXICO-STADT. Die Zahl der Menschen, die sich in Mexiko nachweislich mit dem neuen Influenza-Virus A(H1N1) infiziert haben, ist auf 358 gestiegen. 15 davon sind nach Angaben des mexikanischen Gesundheitsministers José Ángel Córdova vom Freitag gestorben. Dabei handele es sich aber nicht um neue Todesfälle, sagte der Minister. Am Vorabend hatte Córdova bereits angedeutet, dass unter den bislang 159 registrierten Toten, die in Mexiko an diversen Formen der Grippe gestorben sind, weitere mit dem neuen Schweingrippe-Virus infizierte Fälle sein können.

Um eine weitere Ausbreitung der Epidemie zu verhindern, hat die mexikanische Regierung angeordnet, dass über die verlängerten Mai-Feiertage alle öffentlichen Veranstaltungen und Aktivitäten eingestellt werden. Präsident Felipe Calderón forderte seine Landsleute auf, bis zum kommenden Dienstag zu Hause zu bleiben. In Mexiko-Stadt sind zudem alle Gaststätten, Bars und Restaurants geschlossen. Geschäfte, Supermärkte, Lebensmittelmärkte und Apotheken sind aber weiter geöffnet.

In der Metropole mit ihren rund 20 Millionen Einwohnern sind die Auswirkungen im Alltag am deutlichsten: Schulen, Museen, Kinos und andere öffentliche Einrichtungen sind bereits seit Ende vergangener Woche geschlossen.

Unterdessen ist aus China ein erstes Flugzeug mit Hilfsmitteln zum Schutz der Bevölkerung eingetroffen. Darunter sind mehrere Millionen Mundschutzmasken. Ein weiterer Transport werde in China vorbereitet und soll Anfang der kommenden Woche in Mexiko eintreffen.

Die Wirtschaft kommt immer mehr unter Druck. Flugzeuge nach Mexiko-Stadt sind fast leer, der Tourismus kommt zum Erliegen, und Unternehmen müssen den Betrieb einstellen: Die Schweinegrippe versetzt Mexiko nicht nur in Angst und Schrecken, sondern verursacht auch großen wirtschaftlichen Schaden. Die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Seuche sind drastisch. Nur dadurch könnte jedoch Schlimmeres verhindert werden, erklärte der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Marcelo Ebrard.

Ohne die Gegenmaßnahmen würde sich das Virus weiter ausbreiten. "Wenn das passiert, wird der Schaden für die Wirtschaft, die Umsätze, die Stadt und die Arbeitslosigkeit noch größer sein", sagte Ebrard. Die mexikanische Zentralbank prognostizierte am Mittwoch infolge der weltweiten Wirtschaftskrise einen drastischen Einbruch der Wirtschaftsleistung von bis zu 4,8 Prozent. Dabei ist die Schweinegrippe-Epidemie aber noch nicht berücksichtigt. Dadurch könnte das BIP um weitere 0,3 bis 0,5 Prozent einbrechen, sagte Finanzminister Agustín Carstens.

Aufgrund der drastischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie haben Dienstleister und Händler in Mexiko-Stadt kaum mehr Kundschaft. Die Handelskammer geht davon aus, dass die Schließungen allein in der Hauptstadt jeden Tag mindestens 777 Millionen Peso (43 Millionen Euro) verlorene Erlöse bedeuten. Eine Händlerin im riesigen Markt La Merced sagt, dass der Umsatz an ihrem Essensstand um 90 Prozent eingebrochen sei. "Es ist wirklich hart", klagt Aurora Medina. "Mein Mann hat Herzprobleme und Diabetes, er kann nicht arbeiten. Wir haben keine Ersparnisse", erzählt Medina, die schon seit 52 Jahren in La Merced arbeitet.

In der Touristenhochburg Cancún auf der Halbinsel Yucatán haben die wenigen Urlauber dieser Tage reichlich Platz an den Sandstränden. Leere Liegestühle zeugen von der Angst der Touristen aus aller Welt. "Wir schätzen, dass die Buchungen um 30 Prozent zurückgegangen sind. Und es wird noch schlimmer werden", sagt der Präsident des Hotelverbandes Cancún, Rodrigo de la Pena. Einige Länder haben Flüge von und nach Mexiko verboten, darunter Ecuador, Kuba und Argentinien. Der Tourismus ist indes eine der wichtigsten Einnahmequellen Mexikos.

Die USA und die EU haben ihren Bürgern bereits von Reisen nach Mexiko abgeraten. Die französische Regierung fordert einen Stopp aller Flüge aus der EU nach Mexiko, wo die Grippe ihren Ausgangspunkt nahm. Touristikunternehmen aus den USA, Europa und Japan - Thomas Cook, TUI oder Carnival Kreuzfahrten - machen einen Bogen um die mexikanische Küste oder bieten ihren Kunden Umbuchungen an. Die Deutsche Lufthansa dagegen sieht bisher noch keine großen Auswirkungen.

In Mexiko fallen auch viele Fiestas der Schweinegrippe zum Opfer und lähmen Land und Wirtschaft immer weiter: Die Stadt Puebla hat ihre traditionellen Feierlichkeiten am 5. Mai abgesagt, dem Jahrestag des mexikanischen Siegs über die französischen Streitkräfte 1862. "Es gibt nicht viel zu feiern", sagt Behördensprecher Joaquin Zepeda. Der seit 181 Jahren stattfindende riesige Jahrmarkt San Marco wurde zwangsweise verkürzt.

Normalerweise kommen in den drei Wochen dazu jedes Jahr rund sieben Millionen Menschen in den nördlichen Staat Aguascalientes. Doch nun werden viele wohl auf Präsident Calderón hören: "Um sich vor einer Ansteckung mit der Schweinegrippe zu schützen, gibt es keinen sichereren Ort als Ihr Zuhause."

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