Mehrere Raketen in Kabul eingeschlagen
Schröder rechnet mit Sieg Karsais

Auf seinem Kurzbesuch in Afghanistan äußerte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder zuversichtlich zu einem Wahlsieg von Übergangspräsident Hamid Karsai bereits im ersten Wahlgang. Stunden nach dem Besuch Schröders sind in Kabul mehrere Raketen eingeschlagen.

HB KABUL. Nach Angaben der internationalen Schutztruppe ISAF, erlag ein 16-jähriger Junge nach den Explosionen seinen Verletzungen. Insgesamt seien fünf Raketen explodiert, zwei im Zentrum der afghanischen Hauptstadt, drei in Richtung des Flughafens. Am vergangenen Freitag war nahe der deutschen Botschaft in Kabul eine Rakete eingeschlagen. Schröder hatte am Montag für rund fünf Stunden Kabul besucht und war am Nachmittag (Ortszeit) in Richtung Berlin abgeflogen.

Fröhlich und entspannt traten der Bundeskanzler und der afghanische Übergangspräsident am Montag in Kabul vor die Journalisten. Im Garten des Präsidentenpalastes wirkten sie dabei wie alte Freunde. Die afghanische Präsidentenwahl am Samstag, da waren sie sich einig, sei historisch gewesen. Dann verkündete Schröder, dass er Karsai schon jetzt für den Sieger halte - obwohl die Wahl umstritten ist und ein Wahlergebnis erst Ende des Monats erwartet wird. „Ich bin (...) der Auffassung, dass er es schaffen wird“, sagte Schröder, „und zwar in der ersten Runde“. Bei der afghanischen Wahlbehörde (JEMB) raufte man sich die Haare.

„Das ist seine persönliche Meinung, die er nicht öffentlich äußern sollte“, schimpfte ein entsetzter JEMB-Mitarbeiter. Gerade erst werde damit begonnen, die massiven Unregelmäßigkeiten bei der Wahl zu untersuchen. „Schröder nimmt Einfluss auf einen Wahlgang, der noch nicht abgeschlossen ist.“ Und mit Blick auf die Beschwerden aller Herausforderer Karsais, dass es bei der Wahl nicht mit rechten Dingen zugegangen sei, hieß es bei JEMB: „Schröder gießt Öl ins Feuer.“

Kritiker des Wahlprozesses hatten von vornherein gesagt, die Wahl werde nur veranstaltet, um Karsai einen demokratischeren Anstrich zu verpassen - und sei daher eine Farce. Kaum jemand stellt zwar in Frage, dass der Kandidat des Westens und besonders der USA gewinnt, nur verkündet das eben niemand öffentlich. Selbst US-Präsident George W. Bush gratulierte den Afghanen zwar zum Wahlverlauf, vermied es aber tunlichst, Karsai schon vorzeitig zum Gewinner zu erklären. Auch die Internationale Gemeinschaft bemüht sich redlich, nicht den Eindruck zu vermitteln, dass Rennen sei schon längst entschieden.

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