Mehrere Tausend geben auf
Protestmarsch in den Gaza-Streifen vorerst abgebrochen

Angesichts eines großen Polizeiaufgebots haben Tausende ultra-nationalistische Israelis ihren Protestmarsch in den Gaza-Streifen vorerst abgeblasen. Die Demonstration gilt als ihre letzte Chance, die bevorstehende Räumung des Gebietes noch zu torpedieren.

HB OFAKIM. „Der Kampf wird weitergehen, aber wir gehen zurück, um uns auszuruhen“, sagte ein Sprecher der Siedler am Donnerstag. In Gaza-Stadt feierten derweil rund 10 000 Palästinenser den für Mitte des Monats geplanten Abzug der Israelis und skandierten: „Heute Gaza, morgen Jerusalem“. Die Palästinenser-Regierung bezeichnete unterdessen den von Israel geplanten Ausbau einer Siedlung im Westjordanland als Provokation. Der von den USA mitgetragene Friedensplan verlangt von Israel, solche Schritte zu unterlassen.

Bereits am Mittwochabend waren die Demonstranten von Sicherheitskräften in Süd-Israel daran gehindert worden, weiter zu marschieren. Einigen Gruppen war es jedoch gelungen, in der Nacht den Polizeikordon zu umgehen. Insgesamt seien 441 Protestierende nahe der Grenze zum Gaza-Streifen festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

„Angesichts des massiven Polizeiaufgebotes, haben wir die Entscheidung getroffen, nach Ofakim zurückzukehren“, sagte der Siedler-Sprecher. Die Israelis wollten von der Ortschaft Ofakim in Südisrael aus in den rund 20 Kilometer entfernten Gaza-Streifen gehen. Bereits im vergangenen Monat hatten die Sicherheitskräfte einen ähnlichen Protestmarsch verhindert.

Israel will von Mitte August an alle 21 Siedlungen im Gaza-Streifen sowie vier der rund 120 Siedlungen im Westjordanland räumen. Bereits seit einigen Wochen wird Israelis die Weiterfahrt in den Gaza-Streifen verwehrt, sofern sie nicht in den Siedlungen leben. Damit will die israelische Regierung das Einsickern radikaler Unterstützer der Siedler verhindern, die den Abzug erschweren könnten.

Ein Sprecher des Wohnungsbauministeriums kündigte unterdessen an, in der Siedlung Betar Ilit bei Bethlehem im Westjordanland sollten 72 Wohnungen entstehen. Entsprechende Ausschreibungen wurden am Donnerstag in israelischen Zeitungen veröffentlicht. Nach Angaben Israels ist der Ausbau erforderlich, um die zahlenmäßig gewachsene Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen. Der Ausbau geschehe innerhalb der bestehenden Grenzen Betar Ilits, sagte der Sprecher. Nach Angaben der israelischen Friedensorganisation Peace Now sollen die Wohnungen zusätzlich zu dem bereits im vergangenen Jahr bekannt gegebenen Bau von 600 Wohneinheiten errichtet werden.

Der palästinensische Planungsminister Ghassan al-Chattib sprach von einer Provokation nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für die internationale Gemeinschaft. Peace Now zufolge hat die israelische Regierung im ersten Halbjahr den Bau von 235 Wohnungen ausgeschrieben nach 960 im den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres. In den mehr als 120 Siedlungen im Westjordanland leben über 200 000 Israelis unter 2,4 Millionen Palästinensern. Im palästinensischen Gaza-Streifen leben rund 8500 Siedler.

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