Mehrheit für Abspaltung Katalanen haben genug von Spanien

80 Prozent der Katalanen haben für die Abspaltung von Spanien gestimmt. Allerdings hat Spaniens Regierung ein offizielles Votum verboten. Der katalanische Regierungschef bittet nun die Weltgemeinschaft um Hilfe.
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Tausende Katalanen feiern symbolisches Referendum

BarcelonaBei der symbolischen Volksbefragung zur Unabhängigkeit Kataloniens hat sich eine deutliche Mehrheit für die Abspaltung der Region von Spanien ausgesprochen. Wie die katalanische Regionalregierung in der Nacht zum Montag nach der Auszählung von 88,4 Prozent der abgegebenen Stimmen bekanntgab, stimmten 80,7 Prozent in dem nicht bindenden Votum für die Unabhängigkeit. Regionalpräsident Artur Mas will nun ein legales Referendum vorantreiben.

Unmittelbar nach Schließung der Wahllokale sprach Mas von einem "vollen Erfolg". Katalonien habe "einmal mehr gezeigt, dass es sich selbst regieren will", sagte Mas am Sonntagabend in Barcelona. Alle Nationen der Erde hätten ein Recht darauf, über ihre Zukunft zu entscheiden. "Wir möchten das für uns tun." Den Behörden zufolge gaben rund zwei Millionen Katalanen ihre Stimme ab. Geschätzt wurde die Zahl der Wahlberechtigten auf insgesamt 5,4 Millionen. Die Gegner des Votums hatten angekündigt, die Wahl zu boykottieren.

Auf dem Stimmzettel standen zwei Fragen: "Wollen Sie, dass Katalonien ein Staat wird?" sowie "Sollte ein solcher Staat unabhängig sein?" Den am Sonntagabend verbreiteten Zwischenergebnissen zufolge beantworteten 80,7 Prozent der Wähler beide Fragen mit Ja, gut zehn Prozent beantworteten nur die erste Frage mit Ja und rund 4,5 Prozent der Stimmberechtigten verneinten beide Fragen.

Mas bat später die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der Organisation eines legalen Referendums. Bei einer Pressekonferenz wandte er sich am Sonntagabend auf Englisch an ausländische Medienvertreter und bat um Unterstützung für sein Vorhaben: "Wir verdienen ein legales Referendum", sagte er. "Katalonien bittet die Welt um Hilfe dabei, die spanischen Behörden davon zu überzeugen, dass Katalonien ein Referendum über seine Zukunft verdient." Er äußerte sich bei seiner Pressekonferenz abwechselnd auf Katalan, Spanisch, Englisch und Französisch.

Die spanische Zentralregierung in Madrid erkennt das Referendum nicht an, das spanische Verfassungsgericht hatte jede Form der Volksbefragung durch die Regionalregierung verboten. Das Votum hat daher keinerlei rechtlich bindende Wirkung, es könnte aber die Position der Unabhängigkeitsbefürworter stärken.

Der spanische Justizminister Rafael Catalá kritisierte die Abstimmung am Sonntagabend als "einen Akt der politischen Propaganda". Die Befragung sei "steril und nutzlos". Spanien sei ein demokratisches Land mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung und Demonstrationen und Volksbestimmungen seien an "strikte Regeln" gebunden, erklärte der Minister im Namen der Regierung. Diese seien aber nicht eingehalten worden.

Mehrere politische Gruppen hatten am Sonntag Klage gegen die katalanische Regionalregierung eingereicht. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie prüfe, ob die Nutzung von Schulen als Wahllokale und die Versendung von Wahlmaterial gegen eine Anordnung der Zentralregierung verstößt, die der Regionalregierung die Nutzung öffentlicher Ressourcen für die Volksbefragung untersagt hatte.


  • afp
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15 Kommentare zu "Mehrheit für Abspaltung: Katalanen haben genug von Spanien"

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  • Herr Rainer Vogels,
    volle Zustimmung
    An den ganzen Bestrebungen nach wieder einzelnen Staat ist diee kriminelle EU in Brüssel Schuld
    Und es wird Zeit, dass hr aufgeräumt wird

  • welche Kompetenzen sind es denn die Sie gerne zurück hätten, Kompetenzen die wirklich wichtig sind.

  • Wieso dürfen die Krim-Bewohner bei den pösen Russen abstimmen, den Katalanen innerhalb der "Westlichen-Werte-EU" hingegen wird das grundsätzlich und überhaupt verweigert.
    Das verstehe ich nicht....

  • >> Katalanen haben genug von Spanien >>

    Ob Spanien jetzt Panzer schickt ? Wie die Junta in der Ukraine ?

    Es wird spannend !

  • Von was wir nicht alles genug haben; z.B. vom Euro.

  • Kanzlerette und Vize haben eh nichts zu sagen. Bestimmend sind mittlerweile Organisationen die die Atlantik-Brücke.

  • Ich denke mal, das eine von Manipulation freie Wahl in Schottland ein ähnliches Ergebnis erbracht hätte.

  • In der Tat "Souverän" ist nicht der Staat sondern souverän unter Freiheitsaspekten ist immer der Einzelne
    ausgestattet mit persönlicher Souveränität, die zusammengeführt als Souveränität der Einzelnen dann die Souveränität als Gesamtheit eines Gemeinwesens ausmacht.

    Wenn die Katalanen das Bedürfnis haben als Gesellschaft in einem souveränen Staat leben zu wollen,
    haben sie auch das Recht darüber legal abstimmen zu dürfen, ähnlich wie es die Schotten auch gemacht haben.

  • Ohne mich woírklich mit diesen Themen zu beschäftigen, stellt sich mir immer wieder die Frage, was verspricht man sich von so einem Vorgang/ einer Abspaltung? Mehr Mitspracherecht, mehr Wirkung der eigenen Stimme? Mehr Wohlstand? Was?
    Übrigens: Die Abstimmung ist in meinen Augen nichtssagend, solange die Gegner der Abspaltung nicht zur Wahl gehen, oder mindestens 50% Wahlbeteiligung erreicht wird.

  • Europas Politik ist im Deutungsdilema! Europa der Nationalstaaten und ethnishen Regionen oder Europa, eine Rätediktatur!?Sind die Katalanen und Schotten, Separatisten, so böse, wie die Basken und Ostukrainer oder Bayern!? Die Politik macht sich lächerlich! Viva die Apo und die Direkte Demokratie! Jetzt oder nie! Der Souverän ist das Volk. Ob es die Regierung will oder nicht!Die Feiern, z.B., zum 25 jährigen Jahrestag des Mauerfall könnten nicht grotesker sein! Gorba, einer der Väter des dt. Glücks UND Zeitzeuge. Ist er jetzt das russische Schwein oder Glücksschwein!
    Merkel, verzieh Dich!

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