Mehrwertsteuererhöhung: Japaner hamstern Klopapier

Mehrwertsteuererhöhung
Japaner hamstern Klopapier

Asiens zweitgrößte Volkswirtschaft hat zum 1. April die Mehrwertsteuer kräftig erhöht. Der erwartete Kaufrausch trieb komische Blüten – und lässt die Sorge vor Katerstimmung in den kommenden Quartalen wachsen.
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TokioAuf den ersten Blick ist Klopapier vielleicht kein Indikator für die Auswirkungen einer Mehrwertsteuererhöhung. In Japan schon: Ein Supermarkt in Tokioter Stadtteil hat den Verkauf von Klopapier und Papiertüchern rationiert, bevor zum heutigen 1. April die Mehrwertsteuer von fünf auf acht Prozent erhöht wurde.

Jede Familie könne zwischen dem 21. und 31. März nur zwei Packungen Klopapierrollen und zwei Packungen Papiertaschentücher erwerben, informierte ein Schild. „Wir wollen damit vermeiden, dass Hamsterkäufe zu einer Klopapierknappheit führen“, meint der Manager, während eine alte Frau einen Gang weiter den Regalbestand an Instantnudeln in ihre Einkaufskörbe packt.

Die vorbeugende Maßnahme des Supermarkts wie auch das Kaufverhalten der Seniorin sind zwar Einzelfälle. Aber sie deuten auf einen üblichen Nebeneffekt von Umsatzsteuererhöhungen hin, der in den kommenden Monaten Japans Konjunktur bedroht und Volkswirte wie Märkte massiv verunsichert: In aller Regel ziehen die den Kauf teurer, langlebiger Produkte wie Autos, Haushaltsgeräten und Häusern vor, weil eine höhere Mehrwertsteuer sie verteuert. Dies sorgt für einen Konsumsprung kurz vor dem Steuerschritt – und für einen Einbruch danach. Doch in Japan wird gerätselt, wie tief der Abschwung gehen könnte.

Die vorige Umsatzsteuererhöhung ist schon 15 Jahre her. Die Reaktion der entwöhnten Japaner ist daher weniger vorhersehbar als in steuererhöhungserfahrenen europäischen Staaten. Zudem haben zuletzt überraschend schwache Wachstumsdaten das Risiko erhöht, dass Japans Fiskalpolitik die Wirtschaft wieder in eine kleine Rezession stoßen könnte.

Japans Börse, mit einem Plus von über 50 Prozent der überraschende Shootingstar des Jahres 2013, hat daher auch seit Jahresanfang mehr als zehn Prozent ihres Wertes eingebüßt. Und das „Wall Street Journal“ bemüßigt sich, die Mehrwertsteuererhöhung zum „Test für die Abenomics“ hochzujubeln, die Wachstumspolitik von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe.

Kommentare zu " Mehrwertsteuererhöhung: Japaner hamstern Klopapier"

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  • Abenomics sind gescheitert so wie alles was die Japaner in den letzten 30 Jahren zur Wirtschaftsunterstützung gebracht haben. Ganze Wirtschaftsbereiche wie die Unterhaltungsindustrie gehen seit Jahren den Bach runter und es kommt nichts Neues nach.
    Pech gehabt.
    Arroganz kommt vor dem Fall,liebe Japaner.

  • Edel-Klosetts haben sie ja schon... ...jetzt noch das... ...jaja, die Japaner haben schon sehr viel durchgemacht... :D

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