Meilenstein Die Bundeswehr übergibt das Feldlager in Kundus

Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle waren schon oft in Afghanistan - nur noch nie gemeinsam. Diesmal geht es um einen Meilenstein auf dem Weg der Bundeswehr raus aus Afghanistan.
Update: 06.10.2013 - 11:38 Uhr 12 Kommentare
Außenminister Guido Westerwelle (FDP/l.), Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU): Besuch in Afghanistan. Quelle: Reuters

Außenminister Guido Westerwelle (FDP/l.), Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU): Besuch in Afghanistan.

(Foto: Reuters)

KundusDie Bundeswehr hat ihren Einsatz in der nordafghanischen Unruheprovinz Kundus nach zehn Jahren offiziell beendet. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) übergaben am Sonntag bei einer feierlichen Zeremonie das Feldlager Kundus an die afghanischen Sicherheitskräfte.

Kundus sei der Ort, an dem die Bundeswehr lernen musste zu kämpfen, sagte de Maizière. „Das war eine Zäsur, nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für die deutsche Gesellschaft.“ Spätestens Ende des Monats soll die Bundeswehr das Feldlager vollständig geräumt haben. Sie kann dann aber im Notfall noch eine bis zu 300 Mann starke Eingreiftruppe zur Unterstützung der afghanischen Verbündeten aus dem Hauptquartier in Masar-i-Scharif nach Kundus schicken.

Derzeit sind noch etwa 4000 deutsche Soldaten am Hindukusch, 900 davon in Kundus. Nirgendwo in Afghanistan fielen mehr deutsche Soldaten als in Kundus und der Nachbarprovinz Baghlan. „Hier wurde aufgebaut und gekämpft, geweint und getröstet, getötet und gefallen“, sagte de Maizière. „Auch wenn die Bundeswehr Kundus heute verlässt: Vergessen werden wir diesen Ort niemals.“

Westerwelle betonte, dass sich das deutsche Engagement in Afghanistan bisher gelohnt habe und weiter fortgesetzt werde. „Vieles ist heute besser in Afghanistan, aber noch lange ist nicht alles gut“, sagte der FDP-Politiker. „Wir kehren den Menschen in Afghanistan nicht den Rücken.“

An der Übergabezeremonie nahmen auch der afghanische Vize-Verteidigungsminister Nasrullah Nasari und Innenminister Umer Daudsai teil. Daudsai zeigte sich sicher, dass die afghanischen Kräfte allein für die Sicherheit in Kundus sorgen könnten. „Jetzt haben wir eine starke Armee und eine starke Polizei in Afghanistan“, sagte er.

De Maizière und Westerwelle reisten erstmals gemeinsam nach Afghanistan, um die Bedeutung der Übergabe des Feldlagers zu unterstreichen. Westerwelle ist nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag nur noch bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt.

Zeremonie unter massiven Sicherheitsvorkehrungen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

12 Kommentare zu "Meilenstein: Die Bundeswehr übergibt das Feldlager in Kundus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Unsere Freiheit verteidigen wir am Hindukusch!? Wie irrsinnig dieser Satz von Struck war, beweist sich heute. Afghanistan hatte nur die Rückwirkung vieler Milliarden Kosten für unser Land. Nun läuft es sogar Gefahr, dass die Taliban wieder alle Macht übernehmen. Tote, Geldverschwendung und viel Leid sind das Ergebnis für Deutschland. Welche Hirnverrissenen haften nun dafür?

  • Geld unnütz verbraten, das man für deutsche Straßen, Autobahnen, Brücken und Schienenwege dringend gebraucht hätte. Es wird sich erst recht rächen, wenn die Taliban das Land wieder übernehmen. So wird es wohl kommen. Und wer klagt die Politikversager an? Dürfen so viele Milliarden einfach weggeworfen werden? Deutschland sollte sich mehr auf sich besinnen, es gibt viel zu tun!

  • Der Inhalt läßt sich mit einem Satz zusammenfassen: Bundeswehr verläßt Kundus. Und womit werden Tisch und Wände beschmiert? "Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle waren schon oft in Afghanistan - nur noch nie gemeinsam. Diesmal geht es um einen Meilenstein auf dem Weg der Bundeswehr raus aus Afghanistan."
    Der Strukturwandel offenbart sich in der Sprache des Journalisten. Aber eigentlich ist es eher ein Strukturzusammenbruch.



  • @humandecency

    Das setzt voraus, daß die Bananenrepublik Deutschland in dieser Frage eine Wahl hatte und daß unsere Parteien (und Presse) nicht etwa aus Washington/Wallstreet und London fremdgesteuert werden.

    In der Rede zum Tag der deutschen Einheit hat BP Gauck die Nation dagegen auf ihre "internationale Verantwortung" hingewiesen und ein stärkeres "Engagement" angedeutet.

    Damit sollte uns klar sein, was in Washington hinsichtlich unserer Hilfssheriffsrolle entschieden wurde. Den Amis wird das alleinige Kriegsführen nämlich langsam zu teuer. Germans to the front. Nicht erst seit der offenen Kriegshetze der (angeblich) deutschen Presse im Libyen-Angriffskrieg ist klar: Angriffskriege sind völlig ok, solange wir sie nicht auf "eigene Rechnung" führen, sondern im Interesse der anglo-amerikansichen Finanzeliten.

  • @ Gerhard


    - Zitat : Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz bislang 54 Bundeswehr-Soldaten das Leben, 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen

    das sind natürlich die schwerwiegendste Verluste, ohne Zweifel !

    aber auch die finanziellen Verluste sind nicht von der Hand zu weisen : für die Mittel, die da verbraten worden sind, wäre die Infrastrukturdebatte heute überflüssig gewesen !

    Es sind in den über 10 jahren ZIG Milliarden € unnütz verbraten, für die korrupten Machtinhaber auf Schweizer Konten gelandet und die eingesetzte Bürokratie und Kriegstourismus bei uns in den Schornstein geraucht worden !
    Und nicht zu vergessen sind die Opfer des Afghanischen Volkes !

    Dieses Desaster haben uns ROT/GRÜN gezeugt, SCHWARZ/GELB gepflegt, hinterlassen !

  • Jetzt wo die BRD GmbH so langsam dahinter kommt, dass die Besetzung Afghanistans [...]. Die 8 Milliarden von Euros hätte man hierzulande besser in die Renovierung von zig 1000den Kilometern maroder Straßen investieren sollen.
    Aber wie zu allen Zeiten in der Geschichte der Menschheit, Dummheit hat einen Namen POLITIK!!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Sicherheitslage in Kundus ist angespannt und hat sich in den vergangenen Monaten wieder verschlechtert. Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz bislang 54 Bundeswehr-Soldaten das Leben, 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen

    54 Gefallene ohne Grund gefallen?! ... und da haben wir den 2.Weltkrieg noch vor den Augen- einige haben also bis heute nichts gelernt- aber es sind wohl jene , die im 2.Weltkrieg noch nicht lebten. Ehre den Gefallenen- Fluch denen, die diesen" nichts bringenden" Krieg angezettelt haben.

  • Zitat : Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sind im Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Kundus eingetroffen, um das Camp an die afghanischen Sicherheitskräfte zu übergeben.

    -stellt sich die Frage, warum Niebel, Rößler, Merkel, Gauck auch nicht dabei waren ?

    Ein Fall für den Steuerbund : abgewählte FDP-Schmarotzer machen noch Lustreisen ! Uns geht es ja so gut !

  • Zitate Westerwelle "das deutsche Engagement in Afghanistan bisher gelohnt". „Vieles ist heute besser in Afghanistan“.

    Realitätsverlust wurde bereits mit der Bundestagswahl abgegolten. Fakt ist, dass keines der Ziele des Einsatzes erreicht werden konnte. Offenkundig können deutsche Streitkräfte seit Kanzler Bismarck nicht mehr siegen, weil zum Einen realistische politische Vorgaben fehlen und zum anderen, weil Politiker meinen, sich in die militärischen Belange permanent einmischen zu müssen. So muss Deutschland statt der Befriedung und Demokratisierung des Landes mit einem Massenzustrom von Flüchtlingen - allen voran Karzai - rechnen. Dafür wird erneut niemand die politische Verantwortung übernehmen. Nach einem solchen Debakel muss erwogen werden, die Position des Verteidigungsministers künftig mit einem Militär zu besetzen. Dies ist keine Kritik an De Maiziere, dessen Handlungsmöglichkeiten durch die vorherige Selbstüberschätzung anderer Politiker vorgezeichnet waren.

  • Einigeln und durchhalten!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%