Meine Scholle, deine Grenze
Wettrennen um Bodenschätze am Nordpol

Wem gehört der rohstoffreiche Meeresgrund am Nordpol? Kanada hat eine neue Expedition gestartet, die Antworten auf diese Frage liefern soll - unterwegs mit dem Forschungsschiff Louis S. St. Laurent durch die legendäre Nordwestpassage.

RESOLUTE. Nur vage sind die Umrisse eines Hindernisses am Horizont auszumachen - in neun Seemeilen Entfernung, rund 16 Kilometer. Aber mit geübtem Blick erkennt Marc Rothwell, Kapitän des kanadischen Eisbrechers Louis S. St-Laurent, dass es sich um einen Eisberg handelt - um ein gewaltiges Exemplar.

"Big iceberg starboard", ruft er über die Lautsprecheranlage. Wer seinen Arbeitsplatz im Schiffsinnern verlassen kann, eilt an Deck. Der schwimmende Gigant kommt näher. Nun leuchtet er weiß und blau in der Abendsonne. "Mit dem Kerl stößt man besser nicht zusammen", murmelt ein Crewmitglied.

Der Kapitän greift zum Sextanten und nimmt Maß. Fast 50 Meter hoch und 250 Meter lang ist der Eisberg. 90 Prozent der Masse liegen unter der Wasseroberfläche. "760 Millionen Kubikfuß", berechnet der Kapitän das Volumen, umgerechnet etwa 25 Millionen Kubikmeter. "Das genügt, um eine Stadt wie Berlin rund zwei Monate mit Trinkwasser zu versorgen", schätzt der Ozeanograph Robie Macdonald vom Institut für Meereskunde, einer Forschungseinrichtung des Ministeriums für Fischerei und Ozeane.

Vor über einer Woche hat die Louis S. St-Laurent, mit 112 Meter Länge der größte Eisbrecher der kanadischen Küstenwache und gleichzeitig ein Forschungsschiff, den Heimathafen Halifax verlassen. Sie ist auf dem Weg zur Beaufort-See, die zum Arktischen Ozean gehört. Dort sollen die Wissenschaftler an Bord der "Louis" den Meeresboden untersuchen, um Kanadas Anspruch auf Teile des Gebiets und die Ressourcen dort zu untermauern: Mineralien, Gas und Öl.

Die Zeit drängt. Russland hat bereits vor einem Jahr in einer spektakulären Aktion seine Flagge in den Meeresgrund am Nordpol gerammt. Das bis dahin allein von Wissenschaftlern und Rechtsexperten betriebene Abstecken von Hoheitsansprüchen ist zu einem Politikum geworden und hat das Wettrennen um die Bodenschätze angefacht. Auslöser ist der Klimawandel, der das Polarmeer vom Eis befreit und die Rohstoffförderung erst möglich macht.

Die Anrainer-Staaten Kanada, Russland, Dänemark, USA und Norwegen wollen nicht nur den eigentlichen Nordpol, sondern auch den ihn umgebenden Ozean unter sich aufteilen: Eine Fläche von 14 Millionen Quadratkilometern steht zur Disposition.

Die "Louis" hat die Labrador-See durchquert und fährt nun auf der sogenannten "Eisberg-Allee": Die Grönlandströmung führt Eisberge, die von Grönlands Gletschern abbrechen, zunächst Richtung Norden in die Baffin-Bucht, bevor die Labradorströmung sie nach Süden in den Nordatlantik treibt. Wie eine Kette unregelmäßig großer Perlen erscheinen die Eisberge am Horizont - manche klein und flach, andere wie Steilwände mit Zinnen und Türmen.

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