Meinungsfreiheit: „France-Soir“ karikiert Mohammed

Meinungsfreiheit
„France-Soir“ karikiert Mohammed

Seit Tagen versucht die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“, aufgebrachte Muslime zu besänftigen, die wegen der Monate alten Karikaturen des Propheten Mohammed in der Zeitung empört sind. Die französische Zeitung „France-Soir“ geht den umgekehrten Weg: Sie druckt die Karikaturen nach.

HB PARIS/KOPENHAGEN. „Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren“, hält „France-Soir“auf seiner Titelseite fest. Begleitet wurde dies von einer Karikatur, die die buddhistischen, jüdischen, muslimischen und christlicher Götter auf einer Wolke zeigt. Im Innenteil des Blattes werden dann die dänischen Karikaturen gezeigt. „Das Erscheinen der zwölf Zeichnungen in der dänischen Presse hat in der muslimischen Welt Emotionen ausgelöst, weil dort die Darstellung Allahs und seines Propheten verboten ist. Aber kein religiöses Dogma kann einer demokratischen und säkularen Gesellschaft auferlegt werden, 'France-Soir' druckt deshalb die kritisierten Karikaturen.“

Weiter schreibt die Redaktion, man könne von den Karikaturen halten, was man wolle, sie seien jedoch in keinerlei Weise rassistisch gemeint oder setzten eine Gemeinschaft herab. In der Kontroverse um die Karikaturen gehe es um das „Gleichgewicht“ zwischen dem Respekt von religiösen Überzeugungen und der Meinungsfreiheit in der Demokratie.

Islamische Organisationen in Dänemark vollzogen unterdessen eine Kehrtwende und bezeichneten die Entschuldigung von „Jyllands-Posten“ für die Karikaturen als nicht ausreichend. Die dänischen Muslime hatten die Erklärung des Blatts zunächst begrüßt. Nach einem von Treffen von 27 islamischen Gruppen hieß es jedoch, die Formulierung sei nicht eindeutig. „Es ist keine klare Stellungnahme, in der die Zeitung sich für ihre Beleidigungen entschuldigt und zu ihnen steht“, sagte Sprecher Ahmed Akkari.

Die Zeitung hatte sich am Montagabend auf ihrer Web-Site für die Karikaturen entschuldigt. Der Chefredakteur von „Jyllands-Posten“, Carsten Juste, erklärte, die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstoßen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt. Bei ihnen wolle man sich entschuldigen.

In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Zeitung „Berlingske Tidente“ erklärte Juste, die Proteste gegen die Karikaturen seien zu einem Sieg über die freie Meinungsäußerung geworden. Er befürchte, dass nach diesen Protesten niemand in der nächsten Generation in Dänemark mehr eine Zeichnung von Mohammed anfertigen werde. „Sie haben gewonnen“, sagte Juste.

Die Arabische Liga, der 17 islamische Staaten angehören, verlangte am Mittwoch, dass die Verantwortlichen für die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen bestraft werden. In einer Erklärung, die in der Nacht zum Mittwoch zum Ende eines Innenministertreffens der Liga in Tunis verkündet wurde, hieß es: „Wir verurteilen, was von der dänischen Zeitung veröffentlicht wurde, da es die Religion des Islams und ihren hochgelobten Propheten beleidigt“. Die dänische Regierung müsse außerdem dafür sorgen, „dass diejenigen, die für diese Beleidigungen die Verantwortung tragen, bestraft werden und sicherstellen, dass sich etwas derartiges nicht noch einmal wiederholt.“

Eine der Karikaturen zeigt Mohammed mit einem Turban in Gestalt einer Bombe samt brennender Zündschnur. Auf einer weiteren Zeichnung hat er ein Schwert in der Hand. „Jyllands-Posten“ veröffentlichte sie bereits am 30. September, eine norwegische Zeitung druckte sie im Januar nach. Bereits seit Tagen gab es deswegen Proteste in mehreren islamischen Staaten.

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