Memoiren
Dick Cheney rechnet ab

Für seine Gegner steht Dick Cheney für Guantanamo, den Irak-Krieg und die Macht des Öls. Heute legt der Ex-Vizepräsident von George W. Bush seine Memoiren vor – und lässt an seinen alten Weggefährten kein gutes Haar.
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WashingtonEr galt als Graue Eminenz. Als Sphinx. Als mächtigster Mann in der Bush-Regierung. Er galt aber auch als der Trottel, der bei der Entenjagd versehentlich seinem Kumpanen eine Ladung Schrot ins Gesicht schoss. Er wurde gefürchtet, verehrt und belächelt. Dick Cheney ist eine der schillerndsten und zugleich geheimnisvollsten Figuren der aktuellen amerikanischen Politik.

Am heutigen Dienstag nun sollen einige Geheimnisse an Licht kommen. Heute erscheinen Cheneys Memoiren, und vorab hatte der ehemalige Vizepräsident von George W. Bush nicht mit Spannung gespart: „Es werden über Washington einige Köpfe rollen“, hatte der 70-Jährige versprochen.

Seinen Frieden mit der Vergangenheit hat Cheney noch immer nicht gemacht – und rechnet nun in „In My Time“ kräftig mit seinen ehemaligen Mitstreitern ab: Mit Außenminister Colin Powell, Sicherheitsberaterin Condi Rice, CIA-Chef George Tenet. Sie alle lagen entweder falsch, machten dicke Fehler oder zeigten zu wenig Courage. Für diese Seitenhiebe wird Cheneys Buch in Erinnerung bleiben, nicht etwa für den Blick zurück auf eine beeindruckende Karriere.

Und das ist schade. Denn der Mann war Mitarbeiter unter Päsident Richard Nixon. Stellvertreter von Donald Rumsfeld als Stabschef von Gerald Ford. Abgeordneter. Verteidigungsminister unter George Bush Senior. Vorstandschef des Ölkonzerns Halliburton. Schließlich Vizepräsident.

Wahrscheinlich kann einer wie Cheney gar nicht anders, also sich wieder lautstark zu Wort zu melden. Denn der einst mächtige Mann hat sichtlich Mühe mit dem Dasein als Rentner. Wenn ihn nicht gerade seine Herzprobleme daran hindern, dann mischt sich Cheney bis heute gerne in die Politik ein.

Und ähnlich wie seinen Ex-Chef George W. Bush treibt Cheney die Frage nach seinem Platz in der Geschichte um. Mit seinen Memoiren will er dem weit verbreiteten Eindruck gegensteuern, er sei ein skrupelloser Kriegstreiber. Deshalb die vielen Rechtfertigungen, das Beharren auf den bekannten Stadtpunkten, die Schelte für seine Kritiker.

Kommentare zu " Memoiren: Dick Cheney rechnet ab"

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  • Dick hat sich aus seiner Vergangenheit bei KBR die Nase vergoldet. Nach seiner Zeit im 'Bush' bekam er sicherlich noch fette Bonizahlungen.
    So weit so gut - das müssen die Kontrollorgane in den USA selbst untersuchen und ggfs. anklagen - Ich halte das auf keinen Fall für 'appropriate'. Im Sinne des FCPA ist die Vermischung seines Amtes mit hochrangigen Positionen in der Wirtschaft auch nicht compliant. Aber in Texas gehen die Uhren ja bekanntlich etwas anders.

  • Der war alles andere als Geisteskrank. Als Cheney von Halliburton in das Bush-Kabinett wechselte, bekamm er von seinem Ex-Arbeitgeber eine "Abfindung" in Höhe von 30 Millionen Dollar bezahlt. Und die mußte er natürlich ins Verdienen bringen. 2003 stand die 100prozent Tochter Kellog & Root, größter Bau Konzern der USA, direkt vor der Insolvenz. In den ersten 3 Monaten nach Beginn des Irakkrieges bekam K&R sofort nicht ausgeschriebene Aufträge in Höhe von 13 Milliarden Dollar "für den Wiederaufbau" zugeschanzt. Damit war die Pleite vom Tisch. K&R bekamm insgesamt Aufträge für 27 Milliarden US-$ vom Verteidigungsminsterium.

    Cheney machte zwar des öfteren den Trotteligen, war aber ein eiskalter und berechnender Zyniker, dessen Aufgabe es war, george-dabbelju an die Hand zu nehmen und zu führen.

  • Auf Dick konnte sich Mr Busch verlassen ,denn dieser hat ihm scheinbar oefters Entscheidungen abgenommen bzw.vorangetrieben.
    Die Enthuellungsmasche kennen wir ja von anderen Politgroessen.
    Die soll die Auflage steigern,damit er bei seinen "Freunden" in Jackson Hole, WY prahlen kann.
    Dort sitzen ja eine Menge Leute mit einer Menge cash und viel Langeweile,wenn sie nicht gerade beim smalltalk oder auf der Jagd sind.
    In Ihren Palaesten laesst es sich immer gut an wenn man etwas die Muskeln spannt und den letzten Tratsch erzaehlt.
    Sonst kann er versuchen seine Tochter politisch zu puschen.
    In diesen Zeiten ,braucht einer der Verursacher des amerikanischen Schuldenberges nicht mehr viel Wind machen und mit "Enthuellungen" drohen.
    Er war neben "Baron" Rumsfeld keine Zierde der Nation und das beliebte "blamegame" geht halt nicht immer auf.

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