Memorandum unterzeichnet
Deutsch-saudische Wirtschaftsbeziehungen sollen wachsen

Vor allem um saudi-arabische Investitionen in den neuen Bundesländern hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in Riad geworben. Deutschland verstärkt die Wirtschaftsbeziehungen zu dem arabischen Land.

HB RIAD. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kündigte am Montag im Riad an, Saudi-Arabien wolle deutsche Unternehmen bei Handel und wirtschaftlicher Zusammenarbeit bevorzugen. Im kommenden Jahr werde Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) mit einer Wirtschaftsdelegation in die Region reisen. Der Kanzler untermauerte die deutsche Unterstützung für den saudiarabischen Wunsch, in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen zu werden, und hob die „konstruktive Ölpolitik“ Riads hervor.

Schröder unterzeichnete in Riad ein Memorandum zum Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder. Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der Schröder bei dessen Nahostreise begleitet, hatte bereits am Wochenende von großen Chancen für deutsche Unternehmen in Saudi-Arabien gesprochen. Derzeit pflegt das ölreiche Land seine engsten Wirtschaftsbeziehungen zu den USA.

„Mich hat gefreut, dass der Kronprinz (Abdullah) von einer wichtigen und auch bevorzugten Zusammenarbeit gesprochen hat“, sagte Schröder. Zuvor hatte der Kanzler erklärt, die Ablehnung des Irak-Kriegs durch die Bundesregierung wirke sich mit Blick auf die Beziehungen zu Saudi-Arabien auch wirtschaftlich positiv aus. „Die klare Position der Bundesregierung in internationalen Fragen ist, ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen, schon hilfreich für die Gespräche.“

Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr aus Deutschland Waren im Wert von 3,4 Milliarden Euro importiert, ein Plus von 14 Prozent. Das Land lag damit auf der Rangliste der wichtigsten Abnehmer zwischen Australien und Rumänien auf Platz 34. Maschinen, Kraftwagen und chemische Erzeugnisse machten insgesamt rund die Hälfte dieser Ausfuhren aus. Die Importe aus Saudi-Arabien nach Deutschland schrumpften 2002 um zwölf Prozent auf lediglich 0,8 Milliarden Euro, rund drei Viertel davon waren Erdöl und Erdgas.

Schröder warb vor allem für ein saudiarabisches Engagement in Ostdeutschland. „Sie finden dort hervorragende Investitionsmöglichkeiten“, sagte er. Aus Regierungskreisen hieß es, eine saudiarabische Unternehmerdelegation werde Anfang des kommenden Jahres in Deutschland erwartet.

Der Chef der saudiarabischen Investitionsbehörde, Abdullah bin Faisal bin Turki el Abdullah Alsaud, sagte vor Journalisten, es gebe zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen der Irak-Politik und der Vergabe von Regierungsaufträgen an deutsche Unternehmen. „Aber es gibt keinen Zweifel, dass es sicherlich hilft, wenn die Öffentlichkeit findet, dass es bestimmte Regierungen gibt, die sinnvolle Dinge getan haben.“ Auch bei sinkenden Wachstumsraten sei Saudi-Arabien der größte Markt in Nahost. Zu dem Aufruf Schröders, verstärkt in Ostdeutschland zu investieren, sagte der Behördenchef lediglich: „Ich denke, das wird interessant sein.“

Schröder beendet seine Nahostreise am Dienstag nach einem Aufenthalt in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Stopps in Abu Dhabi und Dubai. Unter anderem das gefährdete Finanzierungskonzept einer Chip-Fabrik in Frankfurt (Oder) steht in Dubai auf der Tagesordnung. Das Emirat ist der größte Investor des Milliardenprojekts, Bund und Land wollen aber keine Bürgschaft in der geforderten Höhe übernehmen.

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