Menschenhandel
Thailands tödliche Geschäfte

Das Urlaubsparadies hat eine dunkle Seite: Thailand ist ein globales Zentrum für internationale Menschenhändlerringe. Für Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro im Jahr gehen sie buchstäblich über Leichen.
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BangkokEs ist ein tödliches Milliardengeschäft, das tief im thailändischen Dschungel für mindestens 26 Menschen zu einem tragischen Ende geführt hat. Ihre Überreste fanden Polizisten im bergigen Grenzgebiet zu Malaysia in einem Massengrab.

Bei den Toten soll es sich um Flüchtlinge handeln, die von Menschenhändlern verschleppt und fernab der Zivilisation festgehalten wurden. Möglicherweise ist das nur die Spitze des Eisbergs, fürchten die Ermittler und durchkämmen seit Tagen die Wälder. Ihr Verdacht erhärtete sich, wie die Behörden am Dienstag mitteilten: Sie fanden fünf weitere Gräber in einem zweiten Lager, das mutmaßlich ebenfalls Menschhändler betrieben.

Die Nachrichten aus dem Urwald schockieren die Öffentlichkeit des südostasiatischen Landes, das weltweit als Urlaubsparadies bekannt ist. Doch überraschend sind die Funde nicht. Bereits im vergangenen Jahr bezeichnete das US-Außenministerium Thailand als eines der globalen Zentren für Schleuserbanden und Menschenhändler. Laut Menschenrechtsorganisationen ignorierten die Behörden jedoch das Problem.

Die Aktivisten werfen der Politik des Landes immer wieder vor, selbst in die kriminellen Geschäfte verstrickt zu sein. Das scheint sich nun zu bestätigen. Seit dem Fund des Massengrabes nahm die Polizei fünf Lokalpolitiker fest, bei denen es sich um die Hintermänner des Menschenhändlerrings handeln soll.

15 Polizisten stehen im Verdacht in den Skandal verwickelt zu sein. Nach Angaben von Überlebenden befanden sich Hunderte Flüchtlinge in ihrer Gefangenschaft, die misshandelt und zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Wo sie sich nun befinden, ist unklar. Fest steht: Ihre Peiniger verdienten gut an ihnen.

Die Vereinten Nationen beziffern den jährlichen Umsatz von Schleuserbanden in Asien auf zwei Milliarden US-Dollar, wie aus einem Ende April veröffentlichten Bericht des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervorgeht.

Der Report zeigt, wie das Geschäft funktioniert: Zu Beginn begeben sich die Flüchtlinge meist freiwillig in die Hände der kriminellen Netzwerke. Sie bezahlen dafür, illegal über die Grenze gebracht zu werden. „Die Menschen hoffen auf ein besseres Leben“, schreibt UNODC-Regionalleiter Jeremy Douglas, „und werden dabei mit lebensbedrohlichen Risiken konfrontiert“.

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Lösegeld oder Sklavenarbeit

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