Menschenrechtsorganisation legt Bericht vor: Afghanistan: Foltervorwurf gegen US-Soldaten

Menschenrechtsorganisation legt Bericht vor
Afghanistan: Foltervorwurf gegen US-Soldaten

Bei der Vorlage ihres neuen Berichts gab die US-amerikanische Organisation zum Schutz der Menschenrechte am Montag bekannt, dass US-Soldaten Gefangene gefoltert hätten. Dafür gäbe es klare Hinweise, wie Human Rights Watch meldete.

HB KABUL. Zivilisten seien willkürlich unter Anwendung „exzessiver Gewalt“ und anscheinend auf Grundlage falscher Geheimdienstinformationen festgenommen worden. Die US-Streitkräfte in Afghanistan wiesen die Vorwürfe zurück. Der Sprecher der US-Truppen, Bryan Hilferty, sagte in Kabul, der 59-seitige Bericht beruhe auf einem mangelnden Verständnis der Situation vor Ort. „Afghanistan ist ein Kriegsgebiet, und wir folgen den Gesetzen des Krieges“, sagte er. „Wir nutzen die Genfer Konvention als Richtlinie und versuchen sie zu befolgen.“ Bei der Anwendung von Gewalt gehe man vorsichtig vor.

US-Truppen töteten unterdessen nach afghanischen Angaben zwei Zivilisten, darunter einen sieben Jahre alten Jungen. Der Gouverneur des betroffenen Distrikts Char-Chino in der zentralafghanischen Provinz Uruzgan, Haji Abdul Rahman, sagte am Montag, die Soldaten hätten am Freitagabend das Feuer auf Umstehende eröffnet, nachdem ihr Fahrzeug auf eine Mine gefahren gewesen sei. Sieben Zivilisten seien verletzt worden. In der südostafghanischen Provinz Ghasni wurden nach Angaben der US-Streitkräfte drei US-Soldaten verletzt, als ihr Fahrzeug auf eine Mine fuhr.

Human Rights Watch warf den US-Truppen vor, viele der im Bericht dokumentierten Vorfälle seien „selbst im Rahmen von Krieg nicht zu entschuldigen“. Menschenrechtsverletzungen radikal-islamischer Rebellen wie der Taliban könnten keine Rechtfertigung für die der US-Streitkräfte sein. Unterstützung bekam HRW von der Unabhängigen Menschenrechtskommission in Afghanistan. Deren Vorsitzende Simar Samar sagte dem britischen Sender BBC, „in einigen Fällen“ würden US- Truppen außerhalb des Gesetzes operieren.

Der Bericht zitiert Afghanen, die im US-Hauptquartier in Bagram bei Kabul nach eigener Aussage über Wochen gefesselt blieben. Mehrere frühere Gefangene sagten HRW, sie seien geschlagen oder getreten oder mit Schlafentzug gequält worden. Sie seien gezwungen worden, bewegungslos in schmerzhaften Körperhaltungen zu verharren. Einer gab an, im Winter mit kaltem Wasser überschüttet worden zu sein. HWR warf dem Pentagon vor, den Tod von drei Gefangenen nicht hinreichend erklärt zu haben.

Zivilisten beklagten, bei Hausdurchsuchungen von US- oder afghanischen Truppen misshandelt worden zu sein. HRW kritisierte eine unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt der US-Streitkräfte. So würden Kampfhubschrauber in Wohngebieten eingesetzt. Der Bericht trägt den Titel „“Enduring Freedom“ - Misshandlungen der US-Truppen in Afghanistan“. „Enduring Freedom“ - dauerhafte Freiheit - ist auch der Name des US-geführten Kampfeinsatzes in Afghanistan.

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