Merkel bei Trump
Speed-Dating

Am Dienstag treffen die Bundeskanzlerin und der US-Präsident erstmals aufeinander. Merkel muss Trump in Washington die Stirn bieten. Und das ist nur der leichte Teil ihrer Mission. Ein Kommentar.
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Die mächtigste Frau und der mächtigste Mann der Welt könnten kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite Angela Merkel, die nüchterne und bedachte Physikerin. Auf der anderen Seite Donald Trump, der nicht nur wegen seiner Poltereien auf Twitter als impulsiv, laut und unkontrollierbar gilt. Am Dienstag treffen die Bundeskanzlerin und der US-Präsident erstmals aufeinander. Offiziell dient Merkels Besuch in Washington nur dem Kennenlernen. Doch die Kanzlerin hat auch einen schwierigen Drahtseilakt vor sich. Sie muss Trump die Stirn bieten und gleichzeitig Vertrauen zu dem US-Präsidenten aufbauen.

Nach Trumps irritierendem Wahlkampf forderte Merkel, dass sich auch der US-Präsident an die grundlegenden Werte der westlichen Welt hält. Vergeblich, wie die ersten Wochen nach seiner Amtseinführung gezeigt haben. Nun muss die Kanzlerin weiter auf Freiheit, Respekt vor dem Recht und die Würde des Anderen pochen. Das ist der einfache Teil ihrer Mission. Gleichzeitig weiß Merkel, dass Berlin sich keinen politischen Bruch leisten darf. Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA sind viel zu wichtig – für beide Seiten. Dies dem polternden Milliardär bei ihrem Besuch klarzumachen, ist die eigentliche Herkulesaufgabe. Die Kanzlerin hat sich deshalb Unterstützung geholt: Im Flieger nach Washington sitzen auch die Chefs von Siemens, BMW und Schaeffler.

Sie sollen den US-Präsidenten davon überzeugen, dass eine geschwächte EU und Protektionismus auf lange Sicht auch Amerika schaden. Denn klar ist: Trump ist keine Eintagsfliege. Er behält seinen Platz im Weißen Haus aller Voraussicht nach vier, vielleicht sogar acht Jahre. Ein selbstbewusstes Auftreten der Deutschen und das Pochen auf gemeinsame Werte sind deshalb nicht genug. Entscheidend ist, ob Merkel einen Draht zu Trump findet.

Michael Verfürden
Michael Verfürden
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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