Merkel
„Fremdenfeindlichkeit ist nicht typisch deutsch“

Angela Merkel hat vor einer Dramatisierung ausländerfeindlicher Übergriffe gewarnt. Die Bundeskanzlerin ist überzeugt, dass Fremdenfeindlichkeit kein typisch deutsches Phänomen ist. Eine Umfrage aus den Niederlanden scheint dies zu bestätigen.

HB BERLIN/DEN HAAG. „Wir haben leider einzelne ausländerfeindliche Übergriffe, die absolut zu kritisieren sind und gegen die wir mit aller Konsequenz vorgehen. Aber die überwiegende Mehrheit in unserem Land ist ausländerfreundlich“, sagte Merkel der „Bild am Sonntag“ zufolge. „Es gab diese Übergriffe und wir müssen äußerst wachsam bleiben. Fremdenfeindlichkeit kann man aber nicht als typisch für Deutschland bezeichnen“, betonte die Bundeskanzlerin.

Im vergangenen Monat hatte Ex-Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye Farbige gewarnt, bestimmte Regionen Ost-Deutschlands zu besuchen, weil sie dort mit Übergriffen rechnen müssten. Damit hatte Heye eine Rechtsextremismus-Debatte ausgelöst. Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten in Deutschland stieg 2005 gegenüber dem Vorjahr laut jüngstem Verfassungsschutzbericht um 27,5 Prozent, die der Gewalttaten um 23,5 Prozent.

In den Niederlanden gibt ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung offen zu, ausländerfeindlich zu sein. Ein Viertel der niederländischen Bevölkerung steht nach einer Umfrage Ausländern negativ gegenüber, jeder zehnte Niederländer bezeichnet sich selbst gar als Rassist. 73 Prozent der Bevölkerung sehen sich dagegen nach der am Samstag veröffentlichten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Motivaction im Auftrag des Pressedienstes der niederländischen Regionalblätter (GPD) als nicht rassistisch.

Den harten Kern der Rassisten bilden danach junge Männer mit geringer Schulbildung im Alter zwischen 14 und 25 Jahren. Sie fühlten sich den ausländischen Mitbürgern überlegen und forderten, gebürtige Niederländer sollten sich mit Angehörigen anderer Nationalitäten nicht vermischen. Andere bezeichneten sich als gelegentliche Rassisten, die ihre Abneigung gegenüber Fremden nicht in Taten umsetzen wollten.

Motivacation befragte 1020 Niederländer. Die Hälfte der 1020 Befragten beurteilte den Islam sehr negativ und fürchtet den Einfluss der Muslime auf die Gesellschaft. 43 Prozent finde, dass die Religion nicht den Frieden fördere, 63 Prozent sähen den Islam als unvereinbar mit dem modernen Leben in Europa an, stellten die Meinungsforscher fest. Die weitaus Meisten sprachen sich für eine multikulturelle Gesellschaft aus, räumten aber ein, dass diese in den Niederlanden unter Druck geraten sei.

Nahezu alle Befragten bestätigten, dass es in den Niederlanden Rassismus gibt. Zwei von drei Teilnehmer an der Befragung sprachen gar von Rassismus in großem Umfang, der in den vergangenen Jahren gewachsen sei.

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