Merkel in Peking
China verliert die Geduld mit Europa

Pekings Sorgen wachsen, dass Europa die Euro-Krise nicht in den Griff bekommt und Chinas Wachstumschancen gefährdet. Im Gespräch mit der Kanzlerin macht Premier Wen Druck - und legt Chinas Engagement in die Waagschale.
  • 62

PekingPremier Wen Jiabao schickte seiner Kernbotschaft einige diplomatische Phrasen voraus. China habe Vertrauen in Europa und vor allem in seinen Gast, Kanzlerin Angela Merkel, sagte er zunächst. Doch dann kann er zur Sache: „Wir sehen in letzter Zeit eine weitere Verschlechterung der Lage in der Eurozone.“ Die chinesische Regierung sei von „großer Sorge“ um die Entwicklung in der EU erfüllt.

Als er vom „Verbleib Griechenlands in der Eurozone“ sprach, klang das so, also sei dieser aus seiner Sicht alles andere als sicher. Für Italien und Spanien nannte er einen „Antrag auf umfassende Hilfe“ eine mögliche Option. Statt sich asiatisch-indirekt zu äußern, sprach er damit die Katastrophenszenarien an, an die Merkel die Investoren eigentlich lieber nicht erinnern will.

Zugleich gab China der Kanzlerin aus eigener Erfahrung Tipps für die Wirtschaftspolitik mit auf den Weg. Wen wies sie darauf hin, dass ein Land mit Sparpolitik allein nicht aus der Krise kommt, sondern auch Konjunkturpolitik dazukommen müsse. China selbst hat sich von bitterarmen Verhältnissen Anfang der 80er-Jahre durch geschickten Einsatz von Kapital zur Wirtschaftsmacht hochgearbeitet – und dabei stets auf großzügige staatliche Investitionen gesetzt.

China ist nun mit Reserven in Höhe von 3,2 Billionen Dollar der reichste Deviseninvestor weltweit. Wenn die angeschlagenen Euroländer und die Schutzschirm-Fonds eine Chance auf günstige Refinanzierung haben wollen, dann kommen sie um China nicht herum. Wenn die Volksrepublik einen Teil ihrer Reserven in Euro-Papiere umschichten würde, würde das die Zinsen drücken.

Seite 1:

China verliert die Geduld mit Europa

Seite 2:

Chinas Einfluss in Europa

Kommentare zu " Merkel in Peking: China verliert die Geduld mit Europa"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Und was unsere Kanzlerin da wieder alles erzählt. Europa steht geschlossen hinter dem Euro? Die Frage ist warum! Wenige wollen die politische Union, viele wollen die Schuldenunion, die meisten seher die EU nur noch als Beschaffer billiger Mittel, um Haushaltslöcher zu stopfen. Das ist nun mal keine tragfähige Basis mehr! Schönreden funktioniert da nicht mehr!

  • @Rechner
    "Die Chinesen müssen eben in dem Moment, in dem sie für ihre Dollars was haben wollen, eingestehen daß die weniger wert sind als Sie dachten."

    Auch hier unterschätzen Sie die Chinesen. Die kaufen für den USD-Schrott seit Jahren Rohstoffe und horten diese.
    Geldwerte in Sachwerte tauschen, so würde ich es auch machen.
    Deshalb tauchen die Amis ja auch in jeder Ecke der Welt mit ihren Knarren auf, wo einer Rohstoffe nicht mehr in USD fakturieren will. Aber wie man so hört, formieren sich diesbezüglich schon einige grössere Nationen.

  • @Rechner

    So blöd sind die Chinesen nicht. Eine solche Aktion kann nur in einem Überraschungscoup gelingen. Natürlich schneiden sich die Chinesen dann auch ins eigene Bein, daher haben sie es noch nicht getan.
    Aber ein plötzliches Riesenangebot an US-Staatsanleihen würde den Markt rasant in die Knie gehen lassen und andere Investoren verschrecken. Von einem solchen Schlag würden sich Bernanke und die Finanzmärkte nicht so schnell erholen.

    Ich fände es jedenfalls mal richtig interessant, würden die Chinesen so ein Ding bringen.

    Und nebenbei: Die Chinesen exportieren nur etwa 10% ihrer Waren, der Rest verbleibt im eigenen Land. Die sind also nicht annähernd so krisenanfällig wie wir. Den minderwertigen Müll, den die den Amis für minderwertige Währung angedreht haben, das gleicht sich aus ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%