Merkel nahm in Moskau kein Blatt vor den Mund
Freundliche Gesten und klare Worte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der russische Präsident Wladimir Putin haben bei ihrem ersten offiziellen Treffen in Moskau einen Ausbau der deutsch-russischen Beziehungen angekündigt.

HB MOSKAU. Dolmetscher benötigen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin eigentlich nicht. Russisch gehörte in der Schule zu den Lieblingsfächern Merkels. Putin hat sein exzellentes Deutsch schon vor dem Bundestag zum Besten gegeben. Trotzdem gingen die beiden am Montag beim Antrittsbesuch Merkels im Kreml auf Nummer Sicher: Auf professionelle Übersetzung wollten sie nicht verzichten. Neben den außenpolitischen Beratern nahmen zwei Dolmetscher an dem Spitzengespräch im prachtvollen Amtszimmer des Präsidenten im Kreml teil.

Putin begrüßte Merkel in seiner Muttersprache zwar „ganz herzlich“, blieb dann aber zunächst betont sachlich. Zu Beginn würdigte er das Bekenntnis Merkels zum Ausbau des deutsch-russischen Verhältnisses, das sie noch vor der Bundestagswahl abgegeben hatte. „Wir haben in der verstrichenen Zeit um nichts nachgegeben in der Entwicklung unserer Beziehungen“, eröffnete er das Treffen.

Später lockerte die Atmosphäre etwas auf. Putin sprach einige Dinge auf Deutsch an, Merkels Russisch soll etwas holpriger gewesen sein. Zum Abschluss des Gesprächs in kleiner Runde überreichte der russische Präsident seinem Gast ein Geschenk: Einen kleinen schwarz-weißen Stoffhund. In der deutschen Delegation wurde das so interpretiert, dass der Hundenarr Putin der Kanzlerin ihre Abneigung gegen seine Lieblingstiere austreiben will.

Weblog: Der russische Bär

Beim Arbeitsessen im kleinen Bankettsaal des Kreml setzten Putin und Merkel ihre Gespräche bei einem sechsgängigen Menü fort. Es gab Fischfilet in Aspik, geräucherte Forellen-Röllchen mit Kaviar, Kalb mit Zwiebelsoße und Erdbeereis mit Beeren und Aprikosensoße.

Insgesamt dauerte das Treffen 45 Minuten länger als geplant und übertraf den Besuch Merkels mit US-Präsident George W. Bush in Washington vor drei Tagen um fast eine Stunde. Daraus auf einen besonders hohe Harmonie-Faktor zu schließen, wäre jedoch verfehlt. Gerade über strittige Themen wie den Tschetschenien-Konflikt wurde nach Angaben von Teilnehmern lange gesprochen.

Merkel nahm dabei wie angekündigt kein Blatt vor den Mund. Man habe auch über die Punkte gesprochen, „wo wir vielleicht nicht immer einer Meinung sind“, sagte sie auf der gemeinsamen Pressekonferenz im Katharinensaal des Kreml. Der Austausch über Tschetschenien sei „sehr ausführlich und sehr freimütig gewesen“. Auch das Gesetz zur Kontrolle von Nichtregierungsorganisationen thematisierte Merkel.

Seite 1:

Freundliche Gesten und klare Worte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%