Merkel und Bush
In Freundlichkeit fest vereint

Von einer Krise in den transatlantischen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland war lange Zeit die Rede. Bei Angela Merkels Besuch bei Präsident George W. Bush war davon nichts mehr zu spüren.

WASHINGTON. Als einen Tag vor Angela Merkels zweitem Besuch in den USA ein „Senior White House Official“ die Runde der deutschen Washington-Korrespondenten zum Hintergrundgespräch empfängt, ist klar, dass dieses Mal irgendwas anders sein muss als sonst. „Das hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben“, raunt ein erfahrener Kollege. In der Tat ist die Administration von Präsident George W. Bush seit dem Regierungswechsel in Berlin auf Freundlichkeit gebürstet. So sehr, dass kurzfristig auch Sabine Christiansen noch eine halbe Stunde Zeit für ein Gespräch mit Bush gewährt wird.

Gab es im transatlantischen Verhältnis etwa einmal eine Krise? Und worum ging es dabei? Vergessen und vorbei – es wird nach vorne geblickt. Nach vorne heißt vor allem auf die Iran-Krise. Und da muss Bush erkannt haben, dass er die deutschen Dienste ziemlich gut gebrauchen kann. Denn unter den Staatschefs muss man derzeit lange suchen, wenn man einen ähnlich geschickten Mittler finden will wie die Bundeskanzlerin. Tony Blair und Jacques Chirac sind beide politisch angeschlagen. Vor allem aber kann keiner von ihnen so gut mit Wladimir Putin wie die Dame aus dem ostdeutschen Norden. Und auf den Kreml-Chef kommt es an: Nur wenn die Russen in Sachen Iran an Bord sind, lässt sich diplomatisch an der Eskalation noch etwas drehen.

„Diplomatie muss aber auch Erfolg haben, sonst macht sie keinen Eindruck“, heißt es immer wieder unter den regierungsamtlichen deutschen Außenpolitikern. Schon deshalb hat Angela Merkel ein so vitales Interesse an ihrer Mission. Bekäme man mit einer geschlossenen Front gegen Teheran die zerstörerische Dynamik um das Atomprogramm unter Kontrolle – es wäre der größte Triumph der Diplomatie.

„Entschlossenheit durch Geschlossenheit“, gibt Merkel die Marschroute vor. Bush spricht ganz in diesem Sinne von der Notwendigkeit einer „gemeinsamen Botschaft“. Kein Wort fällt mehr über eine „Koalition der Willigen“, die auch ohne Uno-Mandat gegen Iran zu Felde ziehen könnte. Als Bush dann auch noch die „Partner in peace“ beschwört, wächst bei den Kanzlerberatern nahezu minütlich die Erkenntnis: „Die militärische Option liegt für die USA nicht auf dem Tisch.“

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Bis zu einem Erfolg ist es in jedem Fall noch ein weiter Weg. Taktisch bescheiden, weist man in der deutschen Delegation daher auch erst einmal jede Vermutung zurück, Berlin könnte eine Art Mediator spielen – insbesondere zwischen Washington und Moskau. Das habe Bush nicht nötig, heißt es, was auch der hohe Beamte aus dem Weißen Haus bestätigt. Der Präsident spreche mit Putin frei und direkt, sagt der Diplomat, und bemüht sich dabei um ein Höchstmaß an Nettigkeit.

So redet man auch lange im Oval Office. Die Kanzlerin erzählt dort von ihrem Leben in der DDR, von den Beschränkungen im Sozialismus und von dem, was einen Menschen prägt. Bush hört gerade bei diesen Passagen genau hin, und sie gefallen ihm. So gut, dass er sich diese Lebenslandschaft auch gleich einmal ansehen will. Am besten schon in ein paar Wochen, Mitte Juli. Merkel will Bush Stralsund zeigen und ihm erfolgreiche Menschen aus der Region vorstellen. Dann ist es herrlich warm auf Rügen, in Merkels Wahlkreis. Und die beste Gelegenheit für eine kurze Sommerfrische.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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