Merkel unterstreicht Notwendigkeit des Afghanistan-Einsatzes
Verwirrung um tote deutsche Geisel

Die Verwirrung um die tatsächliche Lage im Entführungsfall der beiden Deutschen in Afghanistan hält an. Zwar gibt es keinen echten Zweifel mehr, dass einer der beiden in Afghanistan entführten Deutschen tot ist. Doch über die Umstände und das Schicksal des zweiten Gekidnappten gibt es fast stündlich neue, widersprüchliche Informationen. In Berlin konzentriert sich der Krisenstab darauf, sein Leben zu retten. Außenminister Steinmeier räumt eine gewisse Hilflosigkeit ein.

HB KABUL/BERLIN. Die Nachrichtenagentur AFP zitierte am Sonntag einen hochrangiger Mitarbeiter der Sicherheitskräfte, der nicht namentlich genannt werden wollte, die Leiche sei mit einer Schusswunde am Kopf aufgefunden worden. Er konnte demnach aber nicht sagen, ob die Wunde der Geisel vor oder nach dem Tod zugefügt wurde.

Die afghanischen Behörden hatten dagegen tags zuvor erklärt, einer der beiden im Süden des Landes entführten Deutschen sei einem Herzanfall erlegen. Der zweite Deutsche lebe noch, es werde alles getan, um seine Freilassung zu erreichen. Auch die deutsche Regierung wies Angaben eines Sprechers zurück, der im Namen der radikalislamischen Taliban erklärt hatte, die beiden Deutschen seien erschossen worden, weil Deutschland nicht wie verlangt den Abzug seiner Truppen bekannt gegeben habe.

Dagegen hatten die Taliban erneut erklärt, sie hätten den Mann und seinen Kollegen entführt und hingerichtet. Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi hatte der Nachrichtenagentur AFP telefonisch mitgeteilt, es gebe keine überlebende Geisel: „Die Taliban können sagen, wo sich die Leichen der beiden Deutschen befinden." Wenn die deutsche Regierung die Toten bergen wolle, würden die Taliban sie bedingungslos herausgeben. Beweise für die Ermordung beider Deutschen durch die Taliban lieferte er indes nicht. Die Glaubwürdigkeit Ahmadis war bezweifelt worden, allerdings versicherte ein weiterer Sprecher der Taliban, Sabihullah Mudschahed, AFP am Sonntag, Ahmadi sei in der Angelegenheit der deutschen Geiseln Wortführer der Taliban.

Polizeichef dementiert Fund der Leiche

Widersprüchliche Informationen gab es auch zur Bergung der Leiche. Man habe den leblosen Körper eines der deutschen Entführungsopfer geborgen, nachdem Dorfbewohner ihn entdeckt hätten, wurde am Morgen Polizeichef Mohammed Hewas Maslum in Nachrichtenagenturen zitiert. Zur Todesursache könne er zunächst noch nichts sagen. Wenig später dementierte er die Meldungen: „Ich haben niemanden gesagt, dass die Leiche gefunden wurde“, sagte Maslum der Nachrichtenagentur Reuters. „Das ist falsch.“

Nach dem Tod einer deutschen Geisel in Afghanistan konzentrieren sich die Bemühungen der Bundesregierung auf die Freilassung des anderen Entführten. Am Sonntag gab es von offizieller Seite aber keine neuen Erkenntnisse. „Der Krisenstab steht in engem Kontakt zur afghanischen Regierung und bemüht sich weiter um eine Lösung“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Samstagabend berichtet, man gehe inzwischen davon aus, dass eine der beiden Geiseln auf Grund der Strapazen der Entführung gestorben sei. Die beiden Ingenieure waren Mittwoch entführt worden.

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