Merkel versus Barroso
Zwei Bankenretter, zwei Pläne

Bundeskanzlerin und EU-Kommissionspräsident drängen darauf, gegen den drohenden Bankencrash in Europa vorzugehen. Aber dabei meinen Merkel und Barrosos nicht das Gleiche. Sie denkt national. Er supranational.
  • 7

DüsseldorfRekapitalisierung ist das Wort der Stunde. „Die deutsche Bundesregierung steht bereit, wenn notwendig, eine solche Kapitalisierung der Banken durchzuführen. Die Zeit drängt", sagte Merkel am nach ihrem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jose Barroso in Brüssel.

Barroso hört sich so ähnlich an: Die EU-Kommission arbeite an Plänen einer EU-weit  koordinierter Rekapitalisierung europäischer Banken. Durch eine gemeinsame Aktion der Mitgliedsländer solle es angeschlagenen Kreditinstituten trotz Schuldenkrise ermöglicht werden, „Schrottpapiere in ihrem Besitz loszuwerden“, sagte Barroso in einem Live-Interview auf der Video-Plattform Youtube. Einen entsprechenden Vorschlag werde die Kommission den 27 EU-Staaten nun unterbreiten.

Die Stoßrichtung der beiden Spitzenpolitiker ist die gleiche, aber der Weg dahin nicht. Barroso predigt einen gemeinsamen Ansatz, Merkel hingegen einen nationalen.

Der Euro-Rettungsschirm EFSF solle nur im Notfall herangezogen werden, um Banken zu retten, stellt die Kanzlerin klar. Zunächst müssten die Banken in Schieflage selbst versuchen, Kapital zu beschaffen. Erst wenn das nicht möglich sei, würden die Regierungen einzelner Länder einspringen. Erst ganz zum Schluss komme der EFSF – und dessen Einsatz sei immer an bestimmte Bedingungen geknüpft. Merkel wörtlich: „Wenn ein Land nicht genügend eigenen Mittel hat und die Stabilität des Euros insgesamt bedroht ist, dann gibt es eine Möglichkeit, den EFSF zu nutzen.“

In Kurzform: jedes Land ist selbst für seine Banken zuständig und muss dafür sorgen, dass sie ausreichend Kapital erhalten. Erst wenn eine Regierung etwa in Griechenland, Spanien oder Italien selbst zahlungsunfähig zu werden drohe, sei der von Barroso verlangte gemeinsame Rettungseinsatz angesagt.

Das passt auch zur Beschlusslage der EU-Finanzminister von diesem Dienstag: Jeder Minister solle nun zunächst prüfen, welche Banken in seinem Land in Gefahr sind – und was die Regierung dagegen rasch unternehmen kann.

Allerdings ist Barrosos Behörde längst dabei, einen entsprechenden Plan auszuarbeiten.

Seite 1:

Zwei Bankenretter, zwei Pläne

Seite 2:

Als nächstes nimmt sich Merkel Sarkozy vor

Kommentare zu " Merkel versus Barroso: Zwei Bankenretter, zwei Pläne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das koennen Sie nicht machen. Herr Barroso ist da, weil man genau ihn dort haben wollte.

    Waeren bei der EU faehige Leute, wuerde es anders rund gehen. Und eben deshalb ist Herr Barroso dort unabkoemmlich.

    Im uebrigen halte ich den Vergleich Merkel/Barroso als Retter fuer sehr ungleich. Als Retter kann nur der bezeichnet werden, der retten kann - und das kann Herr Barroso im Besonderen garnicht.

  • Frau Merkel möchte also Banken rekapitalisieren. Soso. Woher nimmt sie denn wohl das Kapital dafür, das darf sich jeder fragen.

    Wenn sie nicht Steuern und Abgaben kräftig erhöht, wird sie sich das Geld wohl bei den Banken leihen müssen - aber die will sie gerade retten.

    Man kommt sich vor wie in einer Geisterbahn.

  • Die EZB ist nichts anderes als ein Durchlauferhitzer der Hochfinanz und damit der überstaatlichen Mächte und internationalen Kapitaltreiber.

    Ihre häßliche Fratze hat die EZB bereits gezeigt, durch die willkürliche Auslegung ihrer Daseinsberechtigung.

    Alles was aktuell Brüssel, Berlin und Paris ihren Mitbürgern vorspielen ist Hollywood vom Feinsten.

    Jetzt wird der Stöpsel aus der Wanne gezogen Freunde. Anschnallen und durchatmen.

    Gute Nacht Abendland !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%