Merkel warnt Griechen
Ohne Sparkurs keine Euro-Mitgliedschaft

Vor der wegweisenden Wahl in Athen schickt Kanzlerin Merkel Warnsignale in Richtung Griechenland. Nur, wenn die Sparauflagen befolgt werden, könne Hellas im Euroraum bleiben. Auch Brüssel verschärft den Ton.
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Berlin/AthenGut eine Woche vor den griechischen Parlamentswahlen erhöht Bundeskanzlerin Angela Merkel den Druck auf die Politiker des Schuldenlandes. Die Vereinbarungen zum Spar- und Reformkurs seien die Grundlage einer erfolgreichen Entwicklung des Landes, sagte Merkel am Freitag in Berlin. "Das müssen wir allen, die sich in Griechenland um Mandate bewerben, immer wieder deutlich sagen", sagte Merkel. "Wir wünschen uns, dass Griechenland ein Mitglied des Euroraumes bleibt." Voraussetzung dafür sei aber, "dass die zukünftige griechische Regierung das Memorandum einhält, das vereinbart wurde mit IWF, EZB und EU-Kommission." Dies habe man allen griechischen Parteien gesagt, betonte die Kanzlerin.

Nach den jüngsten Umfragen ist es unsicher, ob die Befürworter des Reformpakets, das Griechenland im Gegenzug zu milliardenschweren Finanzhilfen zugesagt hat, eine Mehrheit bekommen. Die Wahl am 17. Juni gilt vielen als Weichenstellung der Griechen für oder gegen einen Verbleib in der Euro-Zone. Das Land droht nach Ansicht von Kritikern ins Chaos zu versinken, falls die Gegner des Sparprogramms die Oberhand gewinnen. Sollte Griechenland die Auflagen aus dem Rettungspaket nicht mehr erfüllen, könnten die Geldgeber von EU und Internationalem Währungsfonds dem Land den Hahn zudrehen.

Griechenland kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit, zudem ächzen die Bürger wegen der Sparpolitik unter Lohnkürzungen und Steuererhöhungen. Dies wiederum bremst den Konsum und die gesamte Konjunktur. Die Wirtschaft kommt deshalb aus dem Abwärtsstrudel nicht heraus und brach im ersten Quartal um 6,5 Prozent binnen Jahresfrist ein, wie das nationale Statistikamt Elstat mitteilte. Bisher hatten die Statistiker das Minus auf 6,2 Prozent taxiert. Bereits Ende 2011 war die Wirtschaftskraft um 7,5 Prozent geschrumpft.

Ungemach droht Griechenland auch aus Brüssel. In der Schuldenkrise zeichnet sich eine härtere Gangart der EU-Kommission gegen Banken in den Problemländern ab. Griechenland sieht sich mit Forderungen konfrontiert, bestimmte Geldhäuser dichtzumachen, wie aus EU-Kreisen verlautete. Dazu gehöre auch das fünftgrößte Institut des Landes, die staatseigene ATEbank. "Die ATEbank muss auf lange Sicht abgewickelt oder geschlossen werden", sagte ein EU-Vertreter.

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  • Gott sei Dank haben wir den ESM noch nicht.

    Der Widerstand dagegen berechtigterweise ist groß, ein undemokratischer Knebelvertrag, der Seinesgleichen sucht und nicht finden wird...

    Ein bitterböses Konstrukt, entwickelt in USA.

  • " Die griechischen Politiker hätten begonnen, das zu verstehen.

    Warum dies bislang jedoch nicht geschehen sei, liege am mangelnden politischen Willen, diagnostizierte Lekkas."

    Die Griechen in ihren Führungspositionen verhalten sich noch schlimmer, als ein Entwicklungsland, als wären sie gerade erst vom Himmel gefallen und hätten von nichts eine Ahnung.

    Die bräuchten gar nicht so sehr sparen, würden sie endlich ihren Staat in Ordnung bringen mit all den Verpflichtungen an die Bürger, die dazu gehören.
    Solange die Steuerprivilegien der Oberreichen nicht ausgeräumt werden, ist Griechenland nicht zu retten.

    Aber aus allen jetzt notleidenen Staaten sind jeweils an die 200 MRD Euro außer Landes gebracht worden, kein Wunder, daß dadurch auch die Banken am Krückstock gehen die Staaten nicht mehr handlungsfähig sind..

  • "Goldmann-Sachs hat an dem Betrug, das Griechenland mit gefälschten Defizit-Zahlen den
    Beitritt zur Europäischen Währungsunion erschlichen hat, einen „Reibach“ von 600 Mil. Dollar Gemacht. Und wer ausgerechnet sitzt in dessen „Chefsesseln“?"

    Deshalb kommen auch aus USA "die besten Vorschläge"

    Gleichzeitig wetten aber die Bankster auf den Niedergang des Euros und auf Bankrott von Staaten in der EURO-Zone.

    Wir zerschlagen uns nicht nur selbst, da helfen noch einige nach.


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