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14.04.2008 
Tibet-Politik

Merkel will Dalai Lama wieder treffen

Im Streit um ihre Tibet-Politik hat die chinesische Regierung einen schärferen Ton angeschlagen und sich gegen jede Einmischung des Auslands verwahrt. Staats- und Parteichef Hu Jintao wies Forderungen des Westens nach einem Dialog mit dem Dalai Lama entschieden zurück. Unterdessen ging der Fackellauf in Tansania ohne Zwischenfälle vonstatten.

Die chinesische Regierung weist Forderungen nach einem Dialog mit dem Dalai Lama entschieden zurück. Foto: ArchivLupe

Die chinesische Regierung weist Forderungen nach einem Dialog mit dem Dalai Lama entschieden zurück. Foto: Archiv

dpa PEKING/BERLIN. Vier Monate vor den Olympischen Spielen warf der Volkskongress dem Europaparlament „arrogante Einmischung“ in die inneren Angelegenheiten Chinas vor. Die Regierung beschuldigte die „Dalai-Clique“, sie habe die Unruhen in Tibet organisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel bekräftigte ihr Bereitschaft zu an einem neuen Treffen mit dem Dalai Lama, dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter.

Die olympische Fackel wurde am Wochenende ohne Zwischenfälle durch Buenos Aires und Daressalam getragen. Tausende Schaulustige verfolgten am Sonntag den Fackellauf in der tansanischen Hafenstadt Daressalam. Obwohl die Behörden des ostafrikanischen Staates keine Zwischenfälle erwartet hatten, war die Route von 25 auf fünf Kilometer verkürzt worden. In Buenos Aires war die Etappe von einem starken Polizeiaufgebot gesichert. In London, Paris und San Francisco war der olympische Fackellauf von Protesten begleitet worden.

Der Volkskongress erklärte am Samstag, die „unbegründete“ Kritik des Europaparlaments an Pekings Tibet-Politik werde „die chinesisch- europäischen Beziehungen belasten“. Die Europaparlamentarier hatten das Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in Tibet scharf verurteilt. Die Unruhen sollten, so die offizielle chinesische Regierungserklärung, „Tibet von China abspalten, das normale und harmonische Leben der Menschen in Tibet zerstören und die Olympischen Spiele in Peking beschmutzen“. Unter der „Camouflage der Religion“ versuche der Dalai Lama, „das Land zu spalten und die nationale Einheit zu untergraben“.

Der Dalai Lama rief in Seattle im US-Bundesstaat Washington zu einem „Jahrhundert des Dialogs“ auf. „Beim Einsatz von Gewalt zur Lösung eines Problems entstehen oft viele unerwartete Nebeneffekte“, sagte er während eines Kongresses zum Thema „Mitgefühl“. Der Dalai Lama hatte auch in der Vergangenheit immer wieder betont, dass er weder eine vollständige Unabhängigkeit für Tibet anstrebe noch zur Gewalt aufrufe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Vorwürfe Chinas gegen den Dalai-Lama.

Dennoch warf Chinas Staatschef Hu Jintao dem Dalai Lama vor, „Gewalt anzustacheln“ und die Olympischen Spiele in Peking „sabotieren“ zu wollen. Hu sagte, der Dalai Lama müsse erst seinen Kampf für eine Unabhängigkeit Tibets und eine „Spaltung des Vaterlandes“ aufgeben sowie der Gewalt abschwören. Dann sei China zu Gesprächen bereit.

Westliche Politiker hatten China nach den Unruhen in Tibet zu Gesprächen mit dem Dalai Lama aufgerufen. Auch Kanzlerin Merkel sprach sich für einen Dialog Pekings mit den Tibetern aus. Trotz der Proteste von chinesischer Seite will sie sich erneut mit dem Dalai Lama treffen, bekräftigte sie in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Ein Empfang des Dalai Lama im Bundeskanzleramt im vergangenen September hatte zu Verstimmungen in den deutsch-chinesischen Beziehungen geführt. Unterdessen wurden in Tibet erneut neun Mönche verhaftet, die einen Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude in der Region verübt haben sollen. Die Männer sollen nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua im März einen selbst gebastelten Sprengsatz in das Verwaltungsgebäude der Stadt Gynabe transportiert und dort zur Explosion gebracht haben.

Bei schweren Unruhen in Tibet waren im vergangenen Monat nach Angaben Pekings 19 Menschen, nach Angaben der tibetischen Exilregierung etwa 140 Menschen ums Leben gekommen.

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