Merkels Asien-Strategie
„Den Tiger reiten“

Die Asien-Reise von Angela Merkel gleicht einer Hetzjagd, gerade in Zeiten von Atomwende und Euro-Krise. Dennoch verfolgt die Kanzlerin in Absprache mit der Wirtschaft eine langfristige Asien-Strategie.
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SingapurMit dem indischen Regierungschef Manmohan Singh spricht Angela Merkel besonders gern. Der fast 80-jährige Premierminister mit dem typischen blauen Turban der Sikh gilt als brillanter Ökonom. Er war lange beim Internationalen Währungsfonds, ehe er die Geschicke seines riesigen Heimatlandes in die Hände nahm. Singh sagt nie viel, aber seine Sätze sitzen. Wenn er die Kanzlerin mahnt, die Euroschuldenländer bei ihrem Konsolidierungskurs nicht zu überfordern, hört die deutsche Regierungschefin aufmerksam zu.

Merkel hat Respekt vor der indischen Art, in langen Linien zu denken und große Aufgaben mit Beharrungsvermögen anzugehen. In den nächsten zehn Jahren will, nein, muss Indien beispielsweise 500 Millionen Menschen ausbilden. Nur so können die Inder im globalen Wettbewerb mithalten und die immer noch weit verbreitete Armut im Land verringern. Der Subkontinent wächst und wächst und wird China mit seiner staatlich verordneten Ein-Kind-Politik bald als bevölkerungsreichstes Land der Welt abgelöst haben.

Was kann Deutschland tun, um Indien zu helfen, aber auch selbst davon zu profitieren? Bewundert werden die „deutsche Leidenschaft für Leistung und Qualität“, schmeichelt Singh seiner Besucherin in Neu-Dehli. Der Grund dafür liegt in einer gründlichen Ausbildung, die nicht bei den Top-Leuten aufhört. Die duale Berufsausbildung im nicht-akademischen Bereich ist ein deutscher Exportschlager und Indien setzt auf dieses Modell. Nur so lässt sich dem Millionenheer der jungen und nachdrängenden Generation eine Perspektive in einem Land bieten, in dem Elend und Armut ebenso zum Alltag gehören wie bizarrer Reichtum.

Indien ist zwar die größte Demokratie der Welt, doch das macht es für die Wirtschaft nicht leichter. Die Beschränkung von Ausländern auf 26 Prozent Beteiligungsbesitz an einem indischen Unternehmen ist einer der vielen Gründe, warum die deutschen Direktinvestitionen in 2010 bei gerade einmal vier Milliarden Euro lagen. Nicht viel angesichts eines gegenseitigen Handelsvolumens von 15 Milliarden, das allerdings um 17 Prozent im letzten Jahr gewachsen ist. Wie es besser gehen kann, zeigt der mit 4 Millionen Einwohnern vergleichsweise kleine Stadtstaat Singapur. Dort sind 1200 deutsche Firmen ansässig, die in 2010 acht Milliarden Euro investierten.

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